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ROUNDUP 2: Neuer Tui-Chef will Rendite steigern - Tiefroter Jahresbeginn

Urlaubsstimmung am Strand (Symbolbild).
Urlaubsstimmung am Strand (Symbolbild). © Free-Photos / Pixabay © Free-Photos / Pixabay

(Neu: Aufmachung, Aussagen aus Hauptversammlung, Aktionärskritik, Aktienkurs)

HANNOVER (dpa-AFX) - Der Reisekonzern Tui steuert unter seinem neuen Chef Fritz Joussen auf neue Einschnitte zu. Der Nachfolger von Michael Frenzel will den Konzern schlanker machen, Kosten senken und mehr Rendite für die lange gebeutelten Aktionäre erwirtschaften. Eine konkrete Strategie blieb Joussen bei der Hauptversammlung am Mittwoch schuldig. Vorgänger Frenzel bekam nach 19 Jahren an der Konzernspitze vom Aufsichtsrat eine Lobeshymne, von den Aktionären hingegen eine teils harte Abrechnung zu hören. Zum Start des Geschäftsjahrs 2012/13 rutschte Tui erneut tiefer in die roten Zahlen.

Die Tui-Aktie reagierte mit Kursverlusten auf die Nachrichten. Am frühen Nachmittag lag das Papier mit 1,46 Prozent im Minus bei 8,219 Euro und war damit zweitschwächster Wert im MDax.

STRUKTURDEFIZIT

"Wir haben ein erhebliches Strukturdefizit", sagte Joussen vor den Aktionären in Hannover. So sitzt Tui noch immer auf einer 22-prozentigen Beteiligung an der Container-Reederei Hapag-Lloyd (Hapag-Lloyd Aktie). Außerdem ist die Veranstaltertochter Tui Travel, die nur zu 56 Prozent zur Tui gehört, an der Börse fast doppelt so viel wert wie der deutsche Mutterkonzern.

Frenzel gab seinem Nachfolger mit auf den Weg, die Verschmelzung mit der Tochter voranzutreiben. Der jüngste Anlauf im Januar war an den verschiedenen Preisvorstellungen der Tui AG und der übrigen Tui-Travel-Großaktionäre gescheitert. Von einem Zusammenschluss verspricht sich die Tui-Spitze Synergien und weniger Reibungsverluste.

RENDITE FÜR DIE AKTIONÄRE

Auch in anderen Bereichen will Joussen die Gewinne nach oben treiben. "Wir werden sicher an der Kapitaleffizienz arbeiten." Er erbat sich 100 Tage Zeit, um die einzelnen Konzernbereiche genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Aktionäre könnten zu Recht eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals erwarten.

Frenzel, der die Tui-Führung nach der Hauptversammlung abgibt, musste unterdessen heftige Kritik der Aktionäre einstecken. "Die Ära Frenzel war eine Regentschaft des Niedergangs", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Frenzel hinterlasse "eine gigantische Baustelle". Union Investment will den Vorstand um Frenzel bei der Hauptversammlung daher nicht entlasten. Alexander von Vietinghoff-Scheel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz forderte die Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen. Die Aktionäre seien Gefangene eines seit Jahren dividendenlosen Unternehmens.

FÜHRUNGSWECHSEL

Aufsichtsratschef Klaus Mangold lobte Frenzels Arbeit. Der Manager hatte in 19 Jahren an der Vorstandspitze den Umbau vom Industriekonglomerat Preussag zum Reisekonzern Tui gemanagt. Am 25. März will er auch seinen Posten als Verwaltungsratschef von Tui Travel an Joussen abgeben.

Aus der anhaltenden Lust auf Urlaub konnte Tui zum Start des neuen Geschäftsjahrs kein Kapital schlagen. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember stieg der saisontypische Verlust unterm Strich um mehr als die Hälfte auf 137 Millionen Euro. Nachdem der Konzern ein Jahr zuvor von Zinseinnahmen aus der Rettung der Container-Reederei Hapag-Lloyd und einem positiven Steuereffekt profitiert hatte, zog diesmal eine veränderte Bilanzierung von Leerflügen das Ergebnis nach unten. Besser lief es in der Hotelsparte, die dabei vom Verkauf eines Riu-Hotels auf den Balearen profitierte.

Reiseunternehmen schreiben im Winter in aller Regel Verluste. Ihre Gewinne fahren sie in der Hauptreisezeit im Sommer ein. Aber auch die Container-Reederei Hapag-Lloyd, an der Tui noch mit 22 Prozent beteiligt ist, lieferte von Oktober bis Dezember rote Zahlen ab.

WEITER GEWINN ERWARTET

Für das Geschäftsjahr bis Ende September stellte die Tui-Führung weiterhin mehr Umsatz, ein stabiles, um Sondereffekte bereinigtes EBITA und ein positives Konzernergebnis in Aussicht. In dieser Prognose sind jedoch auch die Gewinnanteile der Minderheitsgesellschafter von Tui Travel eingerechnet. Daran gemessen, steckte Tui im ersten Geschäftsquartal sogar mit 184 Millionen Euro in den roten Zahlen./stw/stb/

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Quelle: dpa-AFX