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Nach US-Luftschlag in Syrien: Finanzmärkte und Politik reagieren

Der Luftangriff der US-Regierung in Syrien ruft sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik heftige Reaktionen hervor. Neben steigenden Öl- und Goldpreisen erlebte die Aktie des Rüstungskonzerns Raytheon zwischenzeitlich einen Höhenflug.
Donald Trump ordnete den Luftschlag in Syrien persönlich an.
Donald Trump ordnete den Luftschlag in Syrien persönlich an. - © Christopher Halloran / Shutterstock.com

Während die Regierungen der Nato-Staaten sich nach dem Luftangriff in Syrien hinter die US-Administration stellen, sind die Finanzmärkte verunsichert. Viele Währungen verlieren an Wert; an den Finanzmärkten macht sich infolge des Angriffs eine Risikoaversion bemerkbar. Anleger sehen jetzt im Gold einen sicheren Hafen – zugleich trieb die Unsicherheit in der Region heute den Ölpreis zeitweise in die Höhe.

Gold auf Jahreshoch, Ölpreis steigt

Der Goldpreis erreichte heute zwischenzeitlich sein bisheriges Jahreshoch bei einem Stand von 1269 US-Dollar. Die Preisentwicklung könnte mit dem US-Luftangriff in der Nacht zum Freitag zusammenhängen, bei dem 59 Marschflugkörper auf einen syrischen Militärstützpunkt abgefeuert worden waren – insbesondere in unsicheren Zeiten gilt Gold als krisenfestes Investment. Auch der Preis für Brent-Öl zog heute zunächst an. Zwar sei Syrien kein wichtiges Ölförderland, doch durch die Militäraktion sei nun die Gefahr einer Eskalation in der Region gestiegen, erklärte laut einem Medienbericht ein Rohstoffexperte von CMC Markets die Preisentwicklung.

Die Aktie des Marschflugkörper-Produzenten Raytheon legte unterdessen deutlich zu. Die Papiere des im S&P 500 notierten Unternehmens verzeichneten heute zwischenzeitlich ein Plus von mehr als drei Prozent. Neben der Raytheon-Aktie gewannen auch die Titel anderer Rüstungskonzerne an Wert – insgesamt müssen die US-Märkte aufgrund der verunsicherten Finanzmärkte und der jüngsten Arbeitsmarktzahlen heute jedoch Verluste hinnehmen.

Trump begründet Angriff mit nationalem Sicherheitsinteresse - Russland spricht von Aggression

US-Präsident Donald Trump hatte die Angriffe in der Nacht zu Freitag in einer kurzen Stellungnahme mit dem „nationalen Sicherheitsinteresse“ der Vereinigten Staaten begründet. Syrien, hatte Trump erklärt, habe zweifellos Chemiewaffen eingesetzt und dabei internationale Übereinkommen verletzt. Zugleich rief Trump alle „zivilisierten Nationen“ dazu auf, die USA bei der Beendigung des Syrien-Konflikts zu unterstützen.

Scharfe Kritik an der US-Militäraktion kam von Syrien und Russland. Die syrische Führung, die bislang keine genauen Angaben zur Opferzahl machte, nannte den Angriff laut Medienberichten „rücksichtslos“ und sprach von einer Politik, welche „die Unterwerfung von Völkern“ verfolge. Dennoch sei laut Angaben des syrischen Informationsministeriums infolge des Angriffs nicht mit einer militärischen Eskalation zu rechnen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte heute in Moskau, dass Präsident Wladimir Putin die Aktion für eine „Aggression gegen einen souveränen Staat“ halte. Zudem gab das russische Außenministerium bekannt, eine Übereinkunft mit den USA über die Vermeidung von Zwischenfällen im syrischen Luftraum ab sofort aussetzen zu wollen. Bislang hatten die Großmächte Informationen über Flugbewegungen in Syrien ausgetauscht, um Zusammenstöße zu verhindern.  

Für Beunruhigung dürfte eine Äußerung des Vize-Chefs des Verteidigungsausschusses in der russischen Staatsduma sorgen, der sich am Freitagnachmittag zur Bedeutung der Aussetzung äußerte. Dadurch sei Russland künftig in der Lage, „auf verschiedene Bedrohungen zu reagieren“ und den syrischen Luftraum mit Raketen zu schützen, zitierte das von russischen Staatsmedien gegründete Nachrichtenportal Sputnik am Freitagnachmittag den Politiker.

Merkel und Hollande stellen sich hinter Trump - Kritik aus Opposition

Unterdessen gaben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande eine gemeinsame Erklärung heraus, in der sie die Verantwortung für den US-Angriff Syriens Staatschef Baschar al-Assad zuschrieben. Dessen wiederholte Chemiewaffeneinsätze, so Merkel und Hollande in ihrer Stellungnahme, hätten eine „Sanktionierung“ erfordert. Auch der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel stellte sich laut einer dpa-Meldung hinter die US-Administration. Der Angriff sei „nachvollziehbar“, erklärte Gabriel am Rande seiner Reise nach Mali.

Die Opposition reagierte mit Ablehnung auf die US-Militäraktion. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, nannte den Angriff auf ihrer Facebook-Seite eine „fatale Wende seitens der US-Politik“ und verglich die Aktion mit den militärischen Interventionen im Irak sowie in Libyen. Sie warnte in dem sozialen Netzwerk vorm Erstarken islamistischer Kräfte, das durch eine weitere Destabilisierung Syriens ausgelöst werden könnte.

Auch aus der FDP kam Kritik am US-Vorgehen. Wolfgang Kubicki, stellvertretender Bundesvorsitzender der Liberalen, warnte bei Facebook vor einer „Eskalation der Gewalt“. Der Militärschlag, so Kubicki, sei „keine kluge Entscheidung“ und hinterlasse bei ihm „Ratlosigkeit“ über die Ziele und das Vorgehen des Westens in Syrien.

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