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Ist Teslas hohe Bewertung gerechtfertigt?

New York (Godmode-Trader.de) - Tesla-CEO Elon Musk verkauft nun Satin-Shorts. Der Elektroautohersteller packte kurzerhand rote Kurzhosen mit goldfarbenem Tesla-Logo und der Aufschrift S3XY (für die Modelle S, 3, X und Y) in sein Angebotsprogramm. Musk macht sich mit der Aktion lustig über Investoren, die gegen sein Unternehmen wetten - die sog. Shortseller, seit jeher seine liebsten Feinde!

Viele Anleger betrachten Tesla als überbewertet und erwarten für die Zukunft sinkende Aktienkurse. Mit Leerverkäufen setzen sie auf fallende Notierungen, um Gewinne zu erzielen. In der Tat wird an der Börse mit zweierlei Maß gemessen. Tesla ist im Vergleich zu General Motors, Toyota, Volkswagen & Co. noch immer ein Nischenanbieter. Toyota etwa hat im zweiten Quartal mit 398.029 Neuwagen allein in den USA mehr Autos ausgeliefert als Tesla im gesamten vergangenen Jahr weltweit.

Doch der Börsenwert des Unternehmens aus Palo Alto, Kalifornien, liegt inzwischen bei 225 Mrd. Dollar - und ist damit doppelt so viel wert wie Volkswagen, den nach Absatzzahlen weltgrößten Autohersteller. Er ist auch um ein Mehrfaches höher als die summierte Bewertung der „Big Three" der USA: General Motors, Ford Motor und Fiat Chrysler Automobiles. Im bisherigen Jahresverlauf hat sich der Tesla-Börsenwert fast verdreifacht. Damit genießt der E-Autobauer nun auch eine höhere Marktkapitalisierung als der Öl- und Gasgigant ExxonMobil, dessen Titel im gleichen Zeitraum um 38 Prozent zurückfielen.

Den letzten Kursschub lösten die Absatzzahlen zum zweiten Quartal aus. Der E-Autohersteller lieferte 90.650 Fahrzeuge aus, womit er den Konsens der Wall Street von 83.000 Einheiten mühelos übertraf. Die optimistischste Analystenprognose lag bei 86.000 Stück.

Das ist vor dem Hintergrund der massiven wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs, der temporären Stilllegung von Fabriken und der schwindenden Nachfrage in den Zeiten des Lockdowns eine durchaus bemerkenswerte Leistung des Unternehmens. Das US-Anlegermagazin "Barron's" etwa sprach von "einer unglaublichen Leistung inmitten von Betriebsstillständen und globaler Pandemie". Aber was fast noch wichtiger ist: Tesla hat den Beweis erbracht, dass selbst ultra-niedrige Ölpreise (wie vor allem im April) den Elektrotrend nicht abwürgen können.

Tesla berichtete ferner, dass die Produktion im Quartal um 20 Prozent auf 82.272 Einheiten zurückgegangen ist. Die Auslieferungen seien zudem im Jahresvergleich um 5 Prozent gesunken. Unter anderem Umständen hätten die Shortseller angesichts solcher Meldungen eine Freudentag erlebt. Doch im Vergleich zu den anderen Herstellern im Autobereich fielen die Rückgänge wesentlich sanfter aus. General Motors, Ford und Fiat Chrysler brachten im selben Zeitraum bis zu 39 Prozent weniger Autos an die Kundschaft. Andere Nischenmarken wie Honda mussten einen Rückgang von 23 Prozent verdauen.

Die Frage der Fragen lautet also nun, ob Tesla seine hohe Bewertung „verdient“ hat. In der Beurteilung sollte beachtet werden, dass die konkurrierenden Autohersteller Substanzwerte darstellen, Tesla gilt an der Börse dagegen als ein Hoffnungswert, um nicht zu sagen, als Kultwert. Spekulative Übertreibungen sind hier Teil des Geschäftsmodells. Bei dem derzeitigen Aktienkurs bewertet der Markt das Unternehmen eher als einen Technologiewert, denn einen Autohersteller. Die Peer Group würde dann eher Apple, Facebook & Twitter heißen und nicht VW, GM oder PSA.

Tesla ist auf Kurs, im laufenden Jahr 500.000 Fahrzeuge auszuliefern und könnte diese Zahl laut den Analysten von Morgan Stanley bis 2030 auf 2 Mio. Fahrzeuge jährlich vervierfachen. Bis 2025 soll der Umsatz bei 100 Mrd. Dollar pro anno liegen. Dennoch: bei einem Aktienkurs von mehr als 1.000 Dollar sollte die Prognose eher auf vier Millionen verkaufter Autos pro Jahr und doppelt so hohen Erlösen lauten. Das dürfte selbst für Tesla in diesem Zeitraum nicht zu erreichen sein.

Mit dem Übergang zu sauberer Energie ist es gut möglich, dass Investoren auch erwarten, dass Teslas Solargeschäft und das Batteriegeschäft zusammen mit dem Auto-Kerngeschäft wachsen werden. Das Analysehaus Piper Sandler erwartet, dass Tesla seinen Kundenstamm auch für sein Solargeschäft begeistern kann. Gleichwohl kommen diese Nebengeschäfte derzeit nur auf einen Umsatzanteil von ca. 10 Prozent.

Bei aller Analysteneuphorie ist auch festzustellen, dass nur jeder vierte an der Wall Street die Aktie zum Kauf empfiehlt. Im Dow Jones ist dies ein unterdurchschnittlicher Wert. Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für Tesla nach den Auslieferungen im zweiten Quartal von 275 auf 295 US-Dollar angehoben („Underweight“). Diese seien besser als erwartet gewesen, schrieb Analyst Ryan Brinkman in seiner Studie. Er erhöhte daher die Schätzungen und das Kursziel. Zudem könnte der Hersteller auch im zweiten Quartal profitabel gewirtschaftet haben.

Übrigens: Der Ansturm auf die roten Tesla-Shorts ließ die Website des E-Autoherstellers zwischenzeitlich zusammenbrechen. Nach kurzer Zeit waren die Shorts ausverkauft!

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Tesla Inc.
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Exxon Mobil Corp.
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