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Goldanlage in Krisenzeiten: Die Flucht ins Edelmetall

Gold ist nicht nur als schmuckes Edelmetall und seltener Rohstoff bekannt, sondern hat auch den Ruf einer Krisenwährung inne. Die Goldanlage ist beliebt bei Spekulanten und Privatpersonen. Es ist nicht nur deshalb so wertvoll, weil es selten ist, sondern weil der weltweite Bestand im Jahr langsamer wächst als die weltweite Geldmenge. Gold ist auch heute noch weltweiter Maßstab für wirtschaftliche Transaktionen und gilt als zuverlässiger Krisenindikator.
Goldbarren unterschiedlicher Größe.
Goldbarren unterschiedlicher Größe. - pexels.com

Warum ist Gold eine Krisenwährung?

Die Deutschen horten so viel Gold wie nie zuvor. Weltweit ist Deutschland inzwischen die führende Gold-Nation. Doch woran liegt das? Zum einen reagieren die Deutschen sehr empfindlich auf niedrige Zinsen und Enteignung, also Themen die vor allem Sparer betreffen. 2017 erreichte der Goldbestand der börsengehandelten Inhaberschuldverschreibung Xetra-Gold mit 175,04 Tonnen ein Allzeithoch, wie die Deutsche Börse Anfang Januar mitteilte. Das sind 57 Tonnen mehr als im Vorjahr Die Gesamtnachfrage betrug dem Statistikportal Statista zufolge weltweit etwa 4.071 Tonnen und damit deutlich weniger als im Vorjahr mit 4.362 Tonnen.

Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten beflügeln die Nachfrage nach Gold. So postuliert auch US-Autor und Finanzexperte James Rickards in seinen Büchern, dass Krisen immer teurer werden. Schuld daran seien seiner Ansicht nach vor allem aufgeblähte Bilanzsummen der Notenbanken. Es stellt sich also die Frage mit welchen Mitteln die nächste Krise überhaupt bewältigt werden kann. Durch Anlagen in physisches Gold, wie Münzen oder Goldbarren, sowie Zertifikate und entsprechende Exchange Traded Funds (ETFs) oder Aktien auf Minenbetreiber könnten sich Anleger allerdings vor den Folgen weitgehend schützen.

Gold in Krisenzeiten

Dass die Goldanlage sich nicht nur bei Privatpersonen, sondern auch bei institutionellen Anlegern großer Beliebtheit erfreut, zeigte sich erstmals so richtig im Rahmen der Weltwirtschaftskrise 1929. Geld war zu diesem Zeitpunkt bereits an den Goldpreis gekoppelt. Zu Beginn konnte die US-Notenbank kein neues Geld in Umlauf bringen, da dies ihre Golddeckung überstiegen hätte und vielen europäischen Banken lagen nur geliehene Goldreserven vor. Dies hatte zur Folge, dass die Geldmenge nicht erhöht werden konnte. Es folgte 1933 das von US-Präsident Franklin D. Roosevelt verhängte Goldverbot. Gold steigerte daraufhin seinen Wert zunächst von 20,67 US-Dollar je Unze auf 35 US-Dollar im Jahr 1934. Bis 1967 wurde dieser Wert beibehalten. Ab 1968 gestaltete sich der Kurs dann flexibel.

Von der Inflation in den 1970er Jahren profitierte der Goldkurs und stieg weiter an. Wer im Jahr 1970 Gold zu einem Kurs von rund 37 US-Dollar kaufte, konnte seine Goldanlage bis 1980 mehr als verfünfzehnfachen. In den 1980er Jahren erhöhte dann die US-Notenbank den Leitzins deutlich, um die Inflation abzuschwächen. Diese Maßnahme hatte zwar Erfolg, wirkte sich aber auch negativ auf den Goldkurs aus. Nun könnte man meinen, dass es eine sichere Annahme wäre, einfach auf die nächste Krise zu warten und sich darauf zu verlassen, dass der Goldpreis auf jeden Fall steigt. Die letzten Jahre sind allerdings geprägt von Krisen: Die Flüchtlingskrise, Konflikte im Nahen Osten, die unberechenbare Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump sowie die politische Lage in der Türkei sind dabei nur einige Beispiele. Und der Goldkurs? Der änderte sich zuletzt trotz Krisenstimmung kaum. Aktuell kostet die Feinunze etwa 1.322 US-Dollar.

© ARIVA.DE: Die Entwicklung des Goldpreises von 1997 bis 2018.

Vor- und Nachteile der Goldanlage

Anders als Anleihen oder Aktien ist eine Goldanlage nicht an Verbindlichkeiten oder anderweitige Versprechungen geknüpft. Darüber hinaus handelt es sich bei Gold um ein staatenunabhängiges Zahlungsmittel, welches sich bereits in vielen Phasen der Unsicherheit bewähren konnte. Da die Goldvorräte verhältnismäßig langsam wachsen, wächst auch das Vertrauen der Menschen in Sicherheit, Wert und Stabilität des Rohstoffs und damit auch in dessen Kaufkraft. Gold erfüllt dafür mehrere wesentliche Bedingungen: Es ist Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel, weltweit akzeptiert, teilbar, haltbar, leicht zu erkennen und nicht so einfach zu vermehren.

Auf der anderen Seite kann eine Goldanlage aber auch mit Nachteilen behaftet sein. Insbesondere kurzfristig stark schwankende Preise gehören dazu. Zudem kann auch angezweifelt werden, ob Gold wirklich ein geeigneter Indikator für eine Krise ist. So verlief der Kurs zuletzt trotz Krisenstimmung relativ geradlinig. Wer mit Gold spekulieren möchte, sollte demnach auf den richtigen Zeitpunkt für ein Investment achten. Im Gegensatz zu anderen Anlagen können Gewinne außerdem nur durch Kursveränderungen realisiert werden, denn es gibt weder Dividende noch Zinserträge.

Die nächste Krise kommt bestimmt

Experten wie Rickards empfehlen vielen Anlegern für den Fall einer Krise und eines Marktzusammenbruchs den Besitz von physischem Gold. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, um zu investieren, beispielsweise durch Zertifikate oder Aktien auf Minenbetreiber. Tiefschneidende Einschnitte in alle möglichen Sparformen würden vor allem sparaffine Anleger bis ins Mark treffen. Zur Absicherung der Ersparnisse würden sich Gold und Silber als physische Materialien also eher eignen, wobei Zertifikate auf Gold oder ETFs und Exchange Traded Commodities (ETCs) zu unsicher seien. Dass der erwartete Goldrausch während der letzten Krisen eher ausgeblieben ist, gibt allerdings Anlass zur Skepsis, was die zukünftige Preisentwicklung betrifft.

Auch wenn eine richtige „Explosion“ des Goldpreises zuletzt ausblieb, lässt sich nicht leugnen, dass der Rohstoff für die meisten durchaus ein brauchbarer Krisenindikator und eine beliebte Geldanlage ist. Zieht der Preis an, ist eine Krise zumindest deshalb sehr wahrscheinlich. Dies wurde im letzten Jahr deutlich, als nach Drohungen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un der Goldpreis pro Unze um rund zehn Prozent hinzugewann. Doch beim vermeintlich sicheren Hafen sollten sich Anleger bewusst sein, dass staatliche Eingriffe eine Goldanlage durchaus vermiesen können. Auch wenn keiner sagen kann, wie es um die Zukunft des Goldpreises bestellt ist, so ist eines jedoch sicher: In turbulenten Zeiten ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste wirtschaftliche oder politische Krise den Goldpreis nach oben treibt.

Weitere interessante Beiträge finden Sie in unserem Themenspecial Edelmetalle: Gold, Silber & Co.

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