Warren Buffetts Ratschläge in einer Finanzkrise

Hier erfahren Sie, wie Warren Buffett sich während der Finanzkrise verhalten hat - und was Sie daraus lernen können.
Warren Buffett.
Warren Buffett. - CC0 1.0 Universal (CC0 1.0) Public Domain Dedication

Ein Gastbeitrag von Matthew Frankel (The Motley Fool), übersetzt von Ralf Anders (Motley Fool Deutschland).

Es ist nun schon über ein Jahrzehnt her, als die Finanzkrise die US-Märkte erschütterte. Einige überschuldete und schwächere Unternehmen überlebten nicht, während viele andere mit starken Bilanzen und großen Wettbewerbsvorteilen noch stärker aus ihr hervorgingen.

Ein Unternehmen der letztgenannten Kategorie ist der von Warren Buffett geführte Mischkonzern Berkshire Hathaway (WKN: 854075) (WKN: A0YJQ2).

Nachfolgend erfahren Sie, welche wertvollen Investment-Ratschläge Warren Buffett während und nach der Finanzkrise gegeben hat. So können Sie nicht nur den nächsten Börsencrash bewältigen, sondern auch Vorteile daraus ziehen.

„Seien Sie gierig, wenn die Masse ängstlich wird.“

Eine der Schlüsselkomponenten von Buffetts Anlagestrategie ist zu kaufen, wenn alle anderen verkaufen. Und das galt vor allem während und nach der Finanzkrise. Zudem sollten Sie nicht in Panik verfallen und Ihre Aktien nicht einfach verkaufen, nur weil der Markt zusammenbricht.

Berkshires solide Bilanz ermöglichte es Buffett, einige besonders kluge Investitionen in Bankaktien wie Goldman Sachs (WKN: 920332) und Bank of America (WKN: 858388) zu tätigen.

Besonders die letztgenannte führte zu einem besonders großen Gewinn für Berkshire. Innerhalb von sieben Jahren hat es mit diesem Unternehmen einen Gewinn von etwa 16 Milliarden US-Dollar erzielt. Außerdem erhält Berkshire durch die Investition jetzt pro Jahr mehr als 400 Millionen US-Dollar an Dividenden.

„Wählen Sie Unternehmen, deren Gewinne nicht von der Gesamtwirtschaft abhängen.“

Die meisten Unternehmen sind in der Regel besser, wenn die Wirtschaft gesund ist. Einige sind jedoch nicht so stark von den Konjunkturschwankungen abhängig wie andere. Dies sind in der Regel Firmen, die sehr wichtige Güter verkaufen oder produzieren. Bei Berkshire fallen zwei seiner wichtigsten Geschäfte (Versicherungs- und Versorgungsunternehmen) in diese Kategorie.

Von 2007 auf 2008 und von 2008 auf 2009 erhöhten jeweils zwei von drei Berkshires großen Versicherungsgesellschaften ihren Überschuss (Float).

Für Investoren könnte ein Rückblick auf die Unternehmen, die in der Rezession profitabel blieben, sehr nützlich sein, um ihr Portfolio auf zukünftige Risiken vorzubereiten.

„Immer eine starke Finanz-Position halten.“

Buffett sagte, dass seine und Charlie Mungers Hauptpriorität in guten wie in schlechten Zeiten darin bestehe, Berkshires finanzielle Position zu stärken. Buffett erreicht dies, indem er sich auf die folgenden Punkte konzentriert: 1) Erhaltung der Überschussliquidität, 2) Stärkung des Wettbewerbsvorteils und 3) Diversifizierung der Ertragsquellen.

Dies kann dadurch erreicht werden, indem Sie etwas Geld auf Ihrem Konto belassen. Diese Bargeld-Reserve ermöglicht Ihnen mehr Möglichkeiten und Chancen, wenn der Markt einmal fällt.

Buffett konzentriert sich zudem auf die Stärkung von Berkshires Wettbewerbsvorteil. Es ist immer ratsam, sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die einen starken Wettbewerbsvorteil haben. Dabei sollte Ihr Fokus auf erstklassigen Unternehmen liegen, die zu Discountpreisen gehandelt werden. An Goldman Sachs beteiligte sich Buffett während der tiefsten Krise. Seine Argumentation war einfach. Goldman war die „beste Firma an der Wall Street“. Im Gegensatz zu vielen anderen Leuten war er sehr zuversichtlich, dass die Rettungsaktion für die Finanzindustrie letztendlich genehmigt werden würde. Er behielt Recht.

Buffett mag nicht an eine übermäßige Diversifikation seines Aktienportfolios glauben, aber er besitzt eine Vielzahl verschiedener Unternehmen in unterschiedlichen Branchen. Buffett sucht nach großen Unternehmen zu guten Preisen. Die Finanzkrise hat uns gezeigt, dass keine Aktie und keine Branche völlig immun gegen Kursverluste ist. Damals hielten viele Anleger einen überproportionalen Teil ihres Portfolios in Finanzwerten, weil man sie für sicher hielt. Dies stellte sich als Fehler heraus. Diversifizierung ist Trumpf.

„Unser Ratschlag: Hüte dich vor Freaks, die Formeln verwenden.“

Buffett erklärt: „Die verblüffenden Verluste bei hypothekenbezogenen Wertpapieren sind zum Großteil auf fehlerhafte, historienbasierte Modelle zurückzuführen, die von Verkäufern, Ratingagenturen und Investoren verwendet wurden.“

Wenn uns die Finanzkrise etwas gelehrt hat, dann, dass man Handels-Modelle nicht auf der Historie des Aktienmarktes aufbauen kann. Das Einzige, was an der Börse vorhersehbar ist, ist, dass sie unvorhersehbar ist.

„Vorsicht vor Investments, die Applaus hervorrufen (stark gestiegene Aktien). Die großen Bewegungen werden normalerweise von Langweilern erzielt.“

Denken Sie an das Langweiligste, was Sie den ganzen Monat über getan haben.

Während wir es nicht sicher sagen können, würden wir für eine Reihe von Ihnen wetten, dass folgende Dinge dabei waren: die Zahlung Ihrer Hypothek (Wells Fargo, WKN: 857949), der Kauf von etwas Limonade (Coca-Cola, WKN: 850663) und dem Notwendigsten (Procter & Gamble, WKN: 852062) im Supermarkt (Wal-Mart, WKN: 860853) und die Bezahlung mit Ihrer Kreditkarte (American Express, WKN: 850226). Dies sind heute einige von Berkshire Hathaways größten Beteiligungen.

Zu guter Letzt…

Versuchen Sie nicht, den Markt zeitlich zu kalkulieren (Timing). Nur weil er zusammengebrochen ist, bedeutet dies nicht, dass er nicht noch weiter sinken kann. Das kann er sicherlich. Anstatt zu versuchen, zu den absolut niedrigsten Kursen zu investieren, sollten Sie sich auf gute Aktien zu günstigen Bewertungen konzentrieren, die Sie langfristig halten wollen. So sollten Sie ganz gut, wenn nicht sogar stärker aus einer Krise wieder herauskommen, als Sie hineingegangen sind.