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ROUNDUP/Schweizer Franken fällt: Erstmals seit Kursfreigabe 1,20 Franken je Euro

Eine 2-Franken-Münze.
Eine 2-Franken-Münze. pixabay.com pixabay.com

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der starke Euro, eine beharrliche Negativzinspolitik und womöglich gar die jüngsten US-Sanktionen gegen Russland lassen die Währungshüter in der Schweiz aufatmen: Erstmals seit der Freigabe des Wechselkurses Anfang 2015 ist der Wert des Schweizer Franken wieder unter den ehemals fixierten Höchstwert gefallen. Am Donnerstag mussten für einen Euro kurzzeitig über 1,20 Franken gezahlt werden. Damit fiel der Kurs wieder hinter die Marke zurück, bei der die Schweizerische Nationalbank (SNB) jahrelang jede weitere Franken-Aufwertung verhindert hatte - bevor sie ihr Versprechen überraschend aufgab.

Anfang März war ein Euro noch für lediglich 1,15 Franken zu haben; der Wert des Franken war also höher als jetzt. Seit Wochen fällt die international gefragte schweizerische Währung deutlich, vor allem wegen des starken Euro, der zuletzt wegen der Erwartung einer weniger lockeren Geldpolitik im Euroraum Aufwind bekommen hatte.

Außerdem hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) unbeirrt an ihrem negativen Leitzins von minus 0,75 Prozent fest. Experten der Bayerischen Landesbank verwiesen auch auf die US-Sanktionen gegen Russland, die womöglich russische Geschäftsleute Geld von Schweizer Konten abziehen ließen.

Durch den lange Zeit gültigen festen Mindestwechselkurs wollten die Notenbanker eine Deflation aufgrund sinkender Importpreise verhindern. Fallende Preise gelten als Risiko für eine Volkswirtschaft, weil sie Unternehmen von Investitionen abhalten und Verbraucher mit Kaufentscheidungen abwarten lassen können. Außerdem kann eine zu starke Währung der heimischen Exportindustrie schaden, weil deren Produkte auf dem Weltmarkt teurer werden.

Um den festgesetzten Mindestwechselkurs aufrecht zu erhalten, musste die SNB über Jahre immer mehr Devisenreserven anhäufen - bis Ende 2014 lag das Volumen bei knapp einer halben Billion Franken. Im Januar 2015 gaben die Währungshüter unter dem wachsenden Druck den Wechselkurs frei, woraufhin der Wert des Franken nach oben schoss - kurzzeitig lag er sogar erstmals in der Geschichte über einem Euro.

Der Erfolg der Wechselkursfreigabe war zweifelhaft, denn letztlich musste die Notenbank seither noch mehr Devisen anhäufen, um einen zu starken Franken zu verhindern. Bis Ende 2017 wurde ein Rekord-Devisenberg im Wert von 744 Milliarden Franken erreicht. Insofern kommt den Währungshütern die aktuelle Franken-Schwäche sehr gelegen./tos/he

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Quelle: dpa-AFX