Wien wirft den Hut in den Ring

Österreich will offenbar künftig in Europa mehr mitmischen. Sowohl für eine freiwerdende Spitzenposition bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als auch für die Neubesetzung des Chefpostens bei der EZB-Bankenaufsicht hat Wien Interesse angemeldet. Insbesondere bei der EZB will sich Österreich stärker involvieren und sich für eine Position im Direktorium in Stellung bringen. Vorstellbar ist laut Finanzminister Hartwig Löger aber auch, dass man sich um einen Platz bei der Bankenaufsicht bemühen werde. Namen nannte er allerdings nicht, ebenso sagte er nicht, ob ein Österreicher gar die Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi anstreben werde. Bekanntlich stehen bei der Zentralbank in nächster Zeit einige Wechsel in der Chefetage an. Drei der sechs Vorstandsmitglieder der EZB werden planmäßig zurücktreten, einschließlich des Präsidenten Mario Draghi, der Ende Oktober 2019 ausscheidet. Zuletzt hatte Österreich mit der Volkswirtin Gertrude Tumpel-Gugerell, die 2011 nach acht Jahren ausgeschieden war, ein Mitglied im aktuell sechsköpfigen EZB-Direktorium.

Mit Wohlwollen aus Berlin

Österreich hatte sich in der Vergangenheit ebenso wie Deutschland und die Niederlande immer wieder kritisch gegenüber der expansiven Geldpolitik der EZB geäußert. Daher dürfte ein österreichischer Vertreter im EZB-Direktorium das Wohlwollen von Berlin finden. Zunächst aber wird die Position an der Spitze der EZB-Bankenaufsicht neu besetzt, wenn die Französin Daniele Nouy zum Jahresende nach fünf Jahren ausscheidet. Für ihre Nachfolge war bereits Interesse aus Rom kolportiert worden, ohne dass allerdings ein offizieller Kandidat benannt wurde. Vor dem Hintergrund der hohen Belastung italienischer Banken durch faule Kredite wäre es aber kritisch zu sehen, wenn ausgerechnet ein Italiener die europäische Bankenaufsicht innehätte. Daher könnte auch hier ein österreichischer Kandidat das Wohlwollen von Berlin erhalten.

Die Nachfolge des österreichischen Notenbank-Chefs Ewald Nowotny, dessen Amtszeit im August 2019 endet, will die österreichische Regierung bis Jahresende festlegen. Mit der Position ist auch ein Sitz im EZB-Rat verbunden.

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Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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