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Handelskrieg: Warum der DAX so ruhig bleibt

Womit wir es zu tun haben ist eine unheilvolle Verkettung von Ereignissen. Erst torpediert Trumps Wirtschaftsberater Kudlow Chinas Präsidenten Xi damit, den Verhandlungen im Wege zu stehen, einen halben Tag später nimmt China eine massive Abwertung der eigenen Währung vor und wieder einen halben Tag später meint Trump, China hätte überhaupt keine Ansprechpartner im Handelskonflikt mit den USA. Das kombiniert der amerikanische Präsident mit der Warnung, die gesamten weiteren Strafzölle in Höhe von 505 Milliarden USD soweit vorbereitet zu haben, um sie auch gleich in die Tat umsetzen zu können.

 

Das Ziel scheint es zu sein, jegliche Schuld an bislang nicht in Gang gekommenen Verhandlungen der Spitze der chinesischen Regierung in die Schuhe zu schieben.

 

Den DAX haben die neuerlichen Drohungen Trumps heute 140 Punkte in zwölf Minuten gekostet. Die Abwertungsorgie Chinas hatte zuvor in zwanzig Minuten 80 DAX-Punkte gekostet. Dazwischen ist immer der Hang des Marktes zu Erleichterungsrallys zu erkennen. Das Dreiergespann aus hoher Liquidität der Zentralbanken, starkem Wirtschaftswachstum und aus laufender Berichtssaison macht es möglich.

 

Nun spricht aber die Saisonalität bis Ende September für fallende Kurse im DAX.

 

Natürlich muss die Saisonalität nicht der dominante Faktor sein, der die Kurse im DAX bestimmen wird. Allerdings arbeitet die Saisonalität ab jetzt gegen den DAX. Bei geeigneter Nachrichtenlage könnte der Index also unter Druck kommen.

 

China und die USA beschießen sich weiterhin aus der Ferne, der Verhandlungstisch bleibt unbesetzt. Solange das der Fall ist wächst auch die Zuversicht des Marktes nicht, dass es bald zu einer Einigung kommen könnte. Mittlerweile ist den meisten klar geworden, dass die letzte Schlacht im Handelskrieg noch nicht geschlagen wurde. Fakt ist zurzeit, dass seit zwölf Tagen keinerlei Gespräche mehr zwischen den USA und China stattfinden. Wer im DAX auf steigende Kurse setzt stellt sich unter das Damoklesschwert möglicher neuer Einlassungen einer der beiden Seiten im Handelskonflikt.

 

Dazu gesellen sich schwierige Verhandlungen im Brexit. Es sieht immer mehr danach aus, als könnte es ein chaotisches Verlassen der EU durch Großbritannien im Frühjahr 2019 geben.

 

Unterdessen versucht die EU Strafzölle gegen Autos zu vermeiden, zeigt sich aber auch resolut, sollte es notwendig sein, Gegenzölle zum Schutz der eigenen Wirtschaft zu erheben.

 

Bleibt den Bullen nur die Hoffnung, dass die Märkte auch weiterhin die hohe Widerstandsfähigkeit und Steherqualitäten besitzen, die sie gegen den Schwall an negativen Nachrichten in den vergangenen Wochen eindrucksvoll zur Schau stellen konnten.

 

Für Daytrader etwa mit CFDs sind Event-Trades zum großen Ding geworden. Ein Trump-Tweet hier, ein Einbruch dort – ereignisverwandtes Trading ist zu einem Trend geworden.

 

Zwischen den Events sehen wir eine zurückgehende Volatilität. Obwohl viele Hedgefonds und andere Trader im Februar mit VIX-Short-Positionen herbe Verluste machten scheint der Trade, auf eine zunehmende Volatilitätsabnahme zu setzen und damit auch Rollgewinne zu erwirtschaften, deren Zinsertrag weit über dem Marktniveau liegt, wieder in Mode gekommen zu sein. Immer mehr Hedgefonds setzen darauf, dass die Schwankungen am Markt wieder übergeordnet deutlich nachlassen werden. Daraus erwächst ein neues Risiko für den Markt. Wenn es kracht, dann verstärken diese Trades durch Zwangsliquidierungen die Korrektur.

 

Die Zentralbanken sind angehalten, diese als „Übergangsvolatilität“ bezeichneten Entwicklungen stoisch zu tolerieren.

 

Der S&P 500 Index für amerikanische Standardaktien dient mir in diesen Tagen als Nordstern, an dem ich meine übergeordnete Richtungseinschätzung für die Aktienmärkte ausrichten kann. Die Frage, die über allem thront ist seit der Februarkorrektur jene, ob der Abverkauf nach unten verlängert wird, damit der Bullenmarkt vorläufig endet und wir eine Richtungsänderung im Trend bekommen oder ob wir einfach in Trendrichtung weiter aufwärts laufen.

 

Die bärische Variante würde sich mit einem Durchbruch unter die 200-Tage-Linie bei 2692 Punkte wahrscheinlicher gestalten, die bullische bei einem Durchbruch über 2800-2875 Punkte. Nur die Zeit wird zeigen, welche Richtung eingeschlagen wird.

 

 

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Über den Autor

Bevor Jochen Stanzl 2015 zu CMC Markets kam, startete er seine Karriere in der Finanzdienstleistungsbranche als Mitbegründer der BörseGo AG. Heute präsentiert er täglich "CMC Espresso", ein Video mit Marktprognosen, das auf dem deutschsprachigen YouTube Kanal von CMC Markets zu sehen ist.