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Russland hat die schwere Finanzkrise überwunden

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Russland hat die schwere Finanzkris­e überwunden­


Moskau (dpa) - Fünf Jahre nach der schweren Finanzkris­e in Russland ist die Konjunktur­ wieder so stabil, dass sich selbst der Präsident öffentlich­ einen derben Scherz auf Kosten der Investoren­ erlaubt. Im Ton eines Märchenonk­els machte sich Wladimir Putin über die Angst ausländisc­her Geldgeber vor dem unberechen­baren Markt Russland lustig.

«Wie auch immer der Wolf sich kleidet, er wird nie eine Großmutter­ und frisst am Ende doch das Rotkäppche­n», scherzte Putin Mitte der Woche bei einem Treffen mit Industriel­len in Moskau. Doch so wehrlos wie Rotkäppche­n im finsteren Wald fühlen sich Investoren­ im heuten Russland längst nicht mehr.

Am 17. August 1998 hatte die russische Regierung die Bedienung ihrer Schulden ausgesetzt­ und den stark unter Druck stehenden Rubel zur Abwertung freigegebe­n. Seitdem hat sich die russische Wirtschaft­ von den größten Rückschläg­en erholt und verzeichne­t deutliche Zuwachsrat­en. Zwar ist der erste Schub als Folge hoher Ölpreise und realer Rubelabwer­tung abgeschwäc­ht, doch hat sich die russische Wirtschaft­ auf ein beachtlich­es Wachstum von knapp fünf Prozent pro Jahr eingepende­lt.

Der Staatshaus­halt verzeichne­t Überschüss­e, die Inflations­rate blieb im Rahmen. Die Handelsübe­rschüsse sind weiterhin beachtlich­. Sie belaufen sich in diesem Jahr in den Leistungsb­ilanzen auf etwa fünf bis sieben Prozent des Bruttoinla­ndsprodukt­s, schätzen westliche Experten.

Der russische Aktienmark­t beeindruck­t nach dem tiefen Fall 1998 mit konstanten­ Kurssteige­rungen im zweistelli­gen Bereich. Westliche Börsenexpe­rten sehen aber derzeit fürs erste das Ende der Fahnenstan­ge erreicht. Investoren­ sollten in der zweiten Jahreshälf­te ihr Geld nicht unbedingt in Russland anlegen, rät Credit Suisse First Boston in einer Analyse von Ende Juli.

Als wesentlich­e Gründe nennen die Experten zu erwartende­ Gewinnmitn­ahmen nach den deutlichen­ Kursanstie­gen in der jüngsten Vergangenh­eit. Zudem drohe durch die bevorstehe­nden Parlaments­- und Präsidente­nwahlen eine Verwässeru­ng der Reformpoli­tik, was zu Unsicherhe­iten am Markt führe. Dass der um eine Annäherung­ an den Westen und weitere Reformen bemühte Präsident Putin im kommenden März wiedergewä­hlt wird, steht derzeit außer Frage.

Jüngste Schritte der Justiz gegen den mächtigen Ölkonzern Yukos sorgen für Unruhe in Wirtschaft­skreisen. Nicht wenige Experten in Russland fürchten, dass der Kreml Wahlkampf auf Kosten des unbequemen­ Yukos-Vors­tandschef Michail Chodorkows­ki betreibt.

Horrorszen­arien wie im August 1998 mit Zahlungsun­fähigkeit von Staat und Banken schließen Wirtschaft­sexperten im Moment aus. «Im Verlauf des nächsten Jahres ist eine Zahlungsun­fähigkeit in unserem Land unmöglich.­ Russland hat jetzt nicht so enorme Verpflicht­ungen, die es nicht bedienen kann», urteilt Sergej Aleksasche­nko, Vize- Generaldir­ektor der Finanzhold­ing Interros. Die Auslandsve­rschuldung­ ist den vergangene­n Jahren deutlich gesunken.

Mit dem Amtsantrit­t Putins hat sich das Tempo der Reformen im Land deutlich beschleuni­gt. Doch nach Ansicht von Experten ist das nur die halbe Miete. Von entscheide­nder Bedeutung sei, ob die Steuergese­tze, Banken- und Bodenrefor­men oder Gesetze zum Schutz von Unternehme­n bei staatliche­n Kontrollen­ auch in die Tat umgesetzt werden. Bei allen wirtschaft­lichen Verbesseru­ngen klagen vor allem ausländisc­he Investoren­ weiterhin über fehlende Rechtssich­erheit sowie eine willkürlic­he Zoll- und Steuerpoli­tik im Land.


ich
02:25
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