Ad hoc-Mitteilungen

ROUNDUP: ThyssenKrupp vor kleiner Lösung in Amerika - Aktie unter Druck

Logo von Thyssenkrupp vor dem Hauptsitz in Essen.
Logo von Thyssenkrupp vor dem Hauptsitz in Essen. © TBE / iStock Editorial / Getty Images Plus / Getty Images © TBE / iStock Editorial / Getty Images Plus / Getty Images

ESSEN (dpa-AFX) - Nach monatelanger Ungewissheit ist beim Industriekonzern ThyssenKrupp (ThyssenKrupp Aktie) eine Lösung für die verlustreichen Übersee-Stahlwerke in greifbare Nähe gerückt. Das Unternehmen befinde sich in exklusiven Verhandlungen über einen Verkauf der Fabrik im US-Bundesstaat Alabama, teilte es am späten Dienstagabend mit. Dafür verschob der Konzern überraschend die für diesen Donnerstag geplante Vorlage der Bilanz des Geschäftsjahrs 2012/13 auf Anfang Dezember. Analysten schließen daraus, dass eine Einigung unmittelbar bevorsteht. Dabei zeichnet sich nun eine kleine Lösung ab. Denn in den exklusiven Verhandlungen geht es nur noch um den Verkauf des Weiterverarbeitungswerks in Alabama - und nicht des Problemwerks in Brasilien.

Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX handelt es sich bei dem Kaufinteressenten um ein von Weltmarktführer ArcelorMittal (ArcelorMittal Aktie) angeführtes Konsortium. Offiziell wollten die Unternehmen dazu nichts sagen. Allerdings hatte der Luxemburger Konzern in der Vergangenheit mehrfach öffentlich ein Interesse an der Anlage in den USA bekundet.

AKTIE VERLIERT - PROBLEMWERK IN BRASILIEN KÖNNTE BLEIBEN

Die Rohstahlfabrik in Brasilien, bislang das Hauptproblem in der amerikanischen Stahlsparte, würde ThyssenKrupp aber behalten. Um die Auslastung dieses Werks zu sichern und eine neuerliche Abschreibung zu vermeiden, will der Ruhrkonzern allerdings den Käufer der US-Anlage zu einer langfristigen Abnahme des Stahls aus Brasilien verpflichten. Dadurch solle eine "wertsichernde Lösung" für das brasilianische Werk erreicht werden, hieß es. Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen sei noch offen.

An der Börse rutschte ThyssenKrupp nach kurzzeitigen Gewinnen mit einem Minus von 2,11 Prozent ans Dax-Ende. Einige Beobachter begrüßten zunächst die Fortschritte. Allerdings setzten sich im Laufe des Handels Zweifel durch, dass der Konzern ohne neue Wertberichtigungen auskommt. Zudem bedauern einige Analysten, dass ein Verkauf des Problemwerks in Brasilien nun vorerst vom Tisch zu sein scheint.

CSN OFFENBAR AUS DEM RENNEN

Seit gut anderthalb Jahren versucht ThyssenKrupp die erst vor Kurzem gebauten Stahlwerke zu verkaufen. Bislang war es das Ziel, die Anlagen in Brasilien und Alabama komplett loszuschlagen. Allerdings gab es mit dem brasilianischen Stahlhersteller CSN nur einen Interessenten für beide Werke. CSN erwies sich dem Vernehmen nach als harter Verhandlungspartner und wollte den Preis tief drücken. Ursprünglich hatte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger den Verkauf schon im Mai in trockenen Tüchern haben wollen. Die Gespräche mit CSN zogen sich aber hin und sind nun offensichtlich gescheitert.

Hiesinger hatte immer wieder betont, sich nicht erpressen zu lassen. Der größte Verkaufsdruck ist zunächst ohnehin weg. Das liegt zum einen daran, dass die brasilianische Währung zuletzt deutlich an Wert verloren hat und die Ausfuhr des Stahls damit lukrativer wird. Zum anderen läuft die Anlage in Brasilien inzwischen technisch besser.

KAPITALERHÖHUNG VORBEREITET

Für Hiesinger geht es in der amerikanischen Stahlsparte nach eigenen Worten ohnehin nur noch um Schadensbegrenzung. Derzeit stehen die Anlagen mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern, ThyssenKrupp beziffert die gesamten Investitionskosten auf 12 Milliarden Euro. Sie haben große Teile des Eigenkapitals aufgezehrt und die Schulden auf mehr als 5 Milliarden Euro anschwellen lassen, weshalb eine Kapitalerhöhung nicht mehr ausgeschlossen ist.

Aber auch hier hat sich die Lage entspannt, nachdem der Konzern einen wichtigen Liquiditätspuffer bei einem Bankenkonsortium behalten darf. Eine Entscheidung über eine Kapitalerhöhung will ThyssenKrupp erst treffen, wenn mehr Klarheit über den Verkauf der Stahlwerke in Übersee sowie bei den offenen Kartellfällen hat, wie ein Sprecher erklärte.

Hiesinger hatte zuletzt erklärt, für alle Fälle vorbereitet zu sein. Analysten rechnen nun damit, dass der Konzern bei der Bilanz-Vorlage Anfang Dezember auch die Kapitalschritte ankündigt. Dabei gehen sie davon aus, dass es eine zehnprozentige Kapitalerhöhung von der Platzierung einer Hybridanleihe begleitet wird. Zusammen könnte dies rund 1,8 Milliarden Euro in die Kassen spülen./enl/nmu

Der ARIVA.DE Newsletter
Bleiben Sie informiert mit dem wöchentlichen Marktüberblick.
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.
Quelle: dpa-AFX