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ROUNDUP: Bank of England hält still - Carney will neuen geldpolitischen Rahmen

Britisches Pfund: Münzen und Banknoten.
Britisches Pfund: Münzen und Banknoten. pixabay.com pixabay.com

LONDON (dpa-AFX) - Die britische Notenbank hält an ihrem hochexpansiven Kurs fest: Am Donnerstag beschloss der geldpolitische Ausschuss, sowohl das Niveau der Anleihekäufe als auch den Leitzins konstant zu halten, wie die Bank of England in London mitteilte. Unterdessen hat sich der designierte Nachfolger von Notenbankchef Mervyn King, Mark Carney, für eine Erneuerung des geldpolitischen Rahmenwerks ausgesprochen. Carney, der im Juli den Chefposten übernehmen soll, äußerte sich im Rahmen einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des britischen Parlaments.

Der geldpolitische Kurs der Bank of England bleibt jedoch vorerst unverändert. Der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken Zentralbankgeld besorgen können, liegt weiter auf einem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das Anleihekaufprogramm, das bereits seit Ende 2012 ausgeschöpft ist, hat ein Volumen von 375 Milliarden Pfund. Dies entspricht etwa 25 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Großbritanniens.

BANK OF ENGLAND HÄLT KURS

Die Bank of England kündigte unterdessen an, Erlöse aus in ihrem Besitz befindlichen Staatsanleihen, wieder in neue Schuldtitel reinvestieren zu wollen. Im März werden erstmalig entsprechende Wertpapiere im Wert von 6,6 Milliarden Pfund fällig. Ein ähnliches Vorgehen verfolgt auch die US-Notenbank Fed.

Die Bank of England scheint derzeit große Hoffnungen in ihr im Sommer 2012 aufgelegtes Kreditprogramm "Funding for Lending" zu setzen. Unter diesem Programm können sich die Banken sehr günstig refinanzieren. Bedingung ist, dass sie zugleich ihre Kreditvergabe ausweiten. Das erklärt, warum die Notenbank zurzeit keine große Neigung erkennen lässt, ihre Geldpolitik weiter zu lockern - obwohl die britische Wirtschaft unter einer ausgeprägten Wachstumsschwäche leidet. Abgesehen von einem Schub im dritten Quartal 2012, vermutlich ausgelöst durch die Olympischen Sommerspiele in London, ist die Wirtschaftsleistung Großbritanniens seit Ende 2011 rückläufig.

CARNEY WILL KOMMUNIKATION VERBESSERN

King-Nachfolger Carney - derzeit noch Chef der Bank of Canada - räumte ein, dass die Schwelle für eine Änderung des geldpolitischen Rahmens hoch sei. Damit dürfte er auf den Umstand anspielen, dass die britische Regierung einer Änderung zustimmen muss. Wie von Beobachtern im Vorfeld erwartet, strebt Carney an, die Kommunikationsstrategie der Bank of England zu verbessern. Damit würde sich die Bank of England ein Stück weit in Richtung Federal Reserve bewegen. Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke ist ein großer Befürworter dieses Stils ist und praktiziert diesen auch. Beispielsweise hatte die Federal Reserve lange Zeit ein konkretes Datum genannt, ab dem mit einer ersten Zinserhöhung zu rechnen sei.

Carney sprach auch das Thema einer stärkeren Wachstumsfokussierung der Geldpolitik an, mit dem er unlängst großes Aufsehen erregt hatte. Ein bestimmtes Niveau des Bruttoinlandsprodukts anzustreben ("NGDP level targeting"), könne zwar sinnvoll bei angebotsseitigen Verwerfungen sein, sagte er. Allerdings gestand Carney auch Probleme ein, die mit dem Vorgehen verbunden sein könnten. Unter Ökonomen stellt "growth targeting" von Notenbanken eine Mindermeinung dar./bgf/hbr

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Quelle: dpa-AFX