ROUNDUP 2/Starker Euro und Fußball-WM: RTL schlägt vorsichtigere Töne an

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LUXEMBURG (dpa-AFX) - Der TV-Konzern RTL blickt wegen des starken Euro und der Fußballweltmeisterschaft etwas vorsichtiger aufs laufende Jahr. So klammert der ProSiebenSat.1 -Konkurrent bei seiner Umsatzprognose jetzt die möglichen Folgen eines anhaltend hohen Euro aus. Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft, die das Werbegeschäft von RTL in den ohnehin schwachen Sommermonaten wegen fehlender Rechte belasten dürfte, hänge das Erreichen des Ziels zudem noch stärker vom Geschäft im Herbst und Winter ab als sonst.

Die Bertelsmann-Tochter rechnet jetzt nur noch mit einem Umsatzplus von 2,5 bis 5,0 Prozent, wenn man Währungseffekte außen vor lässt. Dies geht aus dem am Donnerstag in Luxemburg veröffentlichten Zwischenbericht hervor. Bisher hatte die Prognose inklusive möglicher Folgen des starken Euro gegolten. RTL spürt den starken Euro vor allem bei der Produktionstochter Fremantle, die in London sitzt und viel Geschäft in den USA macht. Fremantle soll dennoch wie das Digitalgeschäft der Hauptumsatztreiber sein.

Neben dem vorsichtigen Ausblick sorgte zum Jahresauftakt ein eher ungewöhnlicher Effekt für Schatten im Zahlenwerk des Konzerns. Der über den französischen Sender M6 zu RTL gehörende Fußballclub Girondins Bordeaux schrieb unter anderem wegen einer teuren Trainerentlassung noch höhere Verluste, so dass das operative Ergebnis des Konzerns zurückging. An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an: Die Aktie der Bertelsmann-Tochter verlor deutlich an Boden.

Sorgen bereitet vor allem die Entwicklung im TV-Geschäft. "Wie schon in der Vergangenheit betont, ist das erste Quartal nicht unbedingt ein Indikator für das Gesamtjahr - insbesondere in Jahren mit großen Sportereignissen wie der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft", sagte RTL-Chef Bert Habets. "Aus diesem Grund werden wir die saisonalen Schwankungen bei den Werbeausgaben genau im Auge behalten und erwarten, dass diese in 2018 im Vergleich zu den anderen Jahren eher gegen Ende des Jahres gemacht werden."

In den ersten drei Monaten stagnierte der Umsatz wegen des starken Euro bei knapp 1,42 Milliarden Euro. Währungsbereinigt betrug das Plus allerdings 2,6 Prozent. Damit lag das Wachstum am unteren Ende der erwarteten Spanne. Beim Gewinn belasteten unter anderem die Turbulenzen bei dem zum Konzern gehörenden französischen Fußballverein zu Jahresbeginn. So sorgte unter anderem die Entlassung des Trainers Jocelyn Gourvennec für einen leichten Rückgang des operativen Gewinns.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um knapp zwei Prozent auf 259 Millionen Euro gefallen. Ohne den um elf Millionen Euro höheren Verlust bei dem Fußballverein wäre der operative Gewinn aber gestiegen. Für 2018 peilt RTL beim operativen Ergebnis einen Wert auf Vorjahreshöhe an - wenn man einen positiven Sondereffekt durch einen Immobilienverkauf im Jahr 2017 außen vor lässt. Unter dem Strich ging der Gewinn um fast ein Fünftel auf 111 Millionen Euro zurück. Der starke Rückgang geht allerdings vor allem auf einen buchhalterischen Sondereffekt im Vorjahr zurück.

Die im bisherigen Jahresverlauf ganz gut gelaufene und im MDax notierte Aktie verlor am Vormittag bis zu sechs Prozent auf 67,10 Euro und fiel damit wieder auf den Stand vom Jahresanfang zurück. Sie nähern sich damit auch wieder dem Mehrjahrestief von knapp unter 60 Euro. Bertelsmann hält nach einer Platzierung von Anteilen vor fünf Jahren noch etwas mehr als 75 Prozent der Anteile. Vor dem Börsengang in Frankfurt waren die Aktien nur in Brüssel und Luxemburg notiert.

Seit der Platzierung der Anteile Ende April 2013 stieg der Börsenwert von RTL um etwas mehr als ein Fünftel auf rund 10,5 Milliarden Euro. Mit der Entwicklung hinkte das RTL-Papier dem MDax deutlich hinterher, schnitt aber besser ab als die Anteile des Konkurrenten ProSiebenSat.1. Diese waren nach einem jahrelangen Höhenflug zwischenzeitlich sogar im Dax notiert, verloren aber seit Ende 2015 vor allem wegen Sorgen um die Entwicklung des TV-Werbemarkts deutlich an Wert./zb/stw/jha/

Quelle: dpa-AFX