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Provokation für liberale Denker

Frank Schirrmacher hat ein Buch geschrieben, das die lange um sich selbst kreisende Kapitalismusdebatte neu beleben kann. Denn ausgerechnet der Herausgeber der FAZ greift liberales Gedankengut an.  

Der Mensch ist egoistisch. Ist es so einfach? Nein sagt Frank Schirrmacher in seinem Buch Ego. Das Spiel des Lebens. Seine Ideen gehen weit über die Unterm-Strich-Zähl-Ich-Argumentationen hinaus. Der Mensch ist programmiert worden, egoistisch zu sein  eine seit Jahrzehnten entwickelte Marionette des Kapitalismus. Schirrmacher trennt, was Konservative und Neoliberale bisher verbunden hat. Das Buch ist beachtenswert, gerade weil es in seiner Konsequenz so verstörend ist.

Frank Schirrmacher konnte man jahrelang auf der liberal-konservativen Seite verorten  wie es sich für einen Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gehört. Konservativ ist er immer noch, aber gegenüber dem neoliberalen Denken sind seine jüngsten Thesen ein Affront sondergleichen. Schirrmacher hatte sich im Feuilleton der FAZ seit der Finanzkrise immer kapitalismuskritisch geäußert. Aber die wuchtige Systemkritik dieses Buches erstaunt dann doch.

Der Autor erklärt in Ego, wie der Mensch seit Jahrzehnten programmiert wird in Richtung Marktkonformität  wir folgen dem Prinzip des Eigennutzes immer stärker. Die Programmierer waren die, die nach dem Ende des Kalten Krieges Gefahr liefen, arbeitslos zu werden. Die Genies, die in mathematische Formeln gepresst haben, wie man das Spiel USA gegen Sowjetunion als Sieger beenden kann.

Diese Heroen der Spieletheorie zogen weiter zur Wall Street, um das nächste Spiel zu programmieren. Jetzt ging es nicht mehr ums Überleben, sondern ums große Geld. Sie brachten die Menschen unter anderem dazu, Häuser zu kaufen, die sie nicht bezahlen konnten. Und Banken, das zu finanzieren. All das mündete in der Finanzkrise. 

Es ist etwas entfesselt worden, was wir nicht mehr beherrschen

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Quelle: Handelsblatt