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Projekt Vermögensaufbau: Wie Schüler aus Friedrichsdorf spielerisch die Börse kennenlernen

Weil das Thema Vermögensbildung im Schulunterricht kaum Platz findet, hat ein Aktienclub im hessischen Friedrichsdorf ein Projekt für Oberstufenschüler auf die Beine gestellt. Die Teilnehmer nahmen das Angebot mit viel jugendlichem Elan an – und verzichteten dafür sogar auf das Mountainbiken.
(Symbolfoto) Wie man Wertpapiere handelt, konnten Schüler der Philipp-Reis-Schule in einem Projekt lernen
(Symbolfoto) Wie man Wertpapiere handelt, konnten Schüler der Philipp-Reis-Schule in einem Projekt lernen - © LemonTreeImages istock.com

Ausgerechnet die Tesla-Aktie vermasselte vielen von ihnen ein besseres Ergebnis. Aber das war bei allem Ehrgeiz am Ende zweitrangig. Auch so können 20 Schüler der Philipp-Reis-Schule aus dem hessischen Friedrichsdorf auf einen außergewöhnlichen Abschluss des Schuljahres zurückblicken. Im Rahmen einer Projektwoche an ihrer Schule haben sie sich fünf Tage lang intensiv mit Aktien auseinandergesetzt und virtuell Wertpapiere gehandelt. Mitglieder des ortsansässigen Börsenclubs hatten für die Jugendlichen ein erlebnisreiches Programm auf die Beine gestellt.

„Wir haben in vielen Gesprächen die Erfahrung gemacht, dass im Schulunterricht das Thema Vermögensbildung nicht vorkommt“, sagt Wolfgang Blume, Mitorganisator des Projektes. Zwar würden im Fach „Politik/Wirtschaft“ verschiedene Wirtschaftssysteme behandelt. Eine Beschäftigung mit dem Kapitalmarkt finde aber nicht statt. Dabei sei die Bereitschaft, sich über den Kauf von Aktien an Unternehmen zu beteiligen, wichtiger denn je, meint Blume, zum Beispiel in Bezug auf die Altersvorsorge.

Für den Architekten „im Unruhestand“ und seine Mitstreiter vom Philipp Reis Investment Club (PRIC) ist es seit langem eine Herzensangelegenheit, junge Menschen an Wertpapiere heranzuführen. Der Club selbst ist vor 34 Jahren aus einem ebensolchen Schulprojekt entstanden. Damals wie heute galt: Ist die Hemmschwelle, sich mit Finanzen zu beschäftigen, erst einmal überschritten, kann Börse durchaus Spaß machen.

Wertpapierhandel mit Hilfe des Börsenspiels simuliert

Während der Projektwoche erfuhren die Schüler zunächst Grundlegendes: wo man brauchbare Informationen über Unternehmen bekommt zum Beispiel, wie man Unternehmensdaten auswerten kann oder wie in der Praxis die Kurs-Charts von Aktien analysiert werden. Als Referenten konnten die Organisatoren unter anderem auch Wieland Staud gewinnen, einen der bekanntesten Technischen Analysten in Deutschland.

Jeder der jungen Projektteilnehmer hatte die Aufgabe, ein seiner Meinung nach interessantes, börsennotiertes Unternehmen auszuwählen. Eingeteilt in vier Teams ging es dann darum, die anderen in der eigenen Gruppe von der ausgesuchten Aktie zu überzeugen.

Das Gewinnerteam mit den Schülern Julian, Niklas und Jonas sowie Betreuer Frank Höfling (v.l.). Foto: PRIC 
Um zu lernen, wie man Wertpapiere handelt, hat jedes Team ein virtuelles Teamdepot eröffnet. Als Plattform diente den Schülern das Börsenspiel von ARIVA.DE. Dieses bildet den echten Handel realitätsnah ab, etwa durch die unterschiedlichen Ordertypen, die genutzt werden können, oder durch die Einrechnung von Transaktionsgebühren. Auch werden Orders nur dann ausgeführt, wenn auf dem gewählten Börsenplatz auch in der Realität ein Handel zu den gewählten Konditionen zustande kommt.

Ob Nintendo oder Alibaba, Lufthansa oder Aixtron – über verschiedenste Unternehmen wurde in den Gruppen diskutiert. Oberstufenschüler David hatte von seinem Vater den Tipp bekommen, sich Activision Blizzard anzuschauen, einen börsennotierten Videospiele-Produzenten aus den USA. Interessiert habe er sich vorher nicht sonderlich für Aktien, gesteht er ein, obwohl sein Vater bei einer Fondsgesellschaft arbeitet. Als er durch die Projektwoche das Angebot bekam, mehr über die Börse zu erfahren, hat er dennoch nicht lange gezögert. „Klar hätte ich auch Mountainbike fahren können“, sagt der 17-Jährige, das sei schließlich auch in der Projektwoche angeboten worden. „Aber ich wollte die Chance nutzen, für mich etwas zu lernen.“

Besuch beim Börsenbetreiber und beim MDAX-Konzern

Die erste Lektion folgte auf dem Fuß. Denn hoch im Kurs stand bei fast allen Teams zu Beginn das Papier des kalifornischen Autobauers Tesla. Der Pionier in Sachen Elektromobilität ist ohne Zweifel innovativ. Allerdings hatte die Tesla-Aktie seit Jahresbeginn bereits rund 60 Prozent an Wert gewonnen. „Da haben wir schon gewarnt, dass das Papier auch heiß gelaufen sein kann“, sagt Ideengeber Klaus Tobeck. Und tatsächlich: Während der Projekttage sackte der Kurs stark ab und belastete einige der Depots. Merke: Erwischt man einen ungünstigen Einstiegszeitpunkt, kann auch ein vermeintlich spannender Wert zum Verlustbringer werden.

Während die Betreuung der Depots und das Studieren von Wirtschaftsnachrichten für die Projektteilnehmer zur täglichen Routine gehörte, sorgten die Organisatoren durch zusätzliche Highlights im Programm für Abwechslung. Auf dem Plan stand zum Beispiel ein Besuch bei der Deutschen Börse in Frankfurt – Blick auf den Parketthandel und die DAX-Tafel inklusive. Wie Unternehmen mit ihren Aktionären kommunizieren, das erfuhren die Schüler später bei der Fraport AG. Das MDAX-Unternehmen gab nicht nur Einblick in seine Investor Relations-Abteilung, sondern lud die Projektteilnehmer auch zu einer Rundfahrt auf Deutschlands größtem Flughafen Rhein-Main ein.

„Das war schon toll“, sagt David. „Wann bekommt man schon mal die Chance, bei solchen Unternehmen hinter die Kulissen zu blicken?“ Doch nicht nur die Besuchsfahrten sind bei dem Oberstufenschüler hängengeblieben. „Ich fand es darüber hinaus sehr interessant, was unsere Betreuer über ihre Erfahrungen an der Börse erzählt haben, wie sie ihre eigenen Erfolgsgeschichten entwickelt haben“, sagt er. „Wenn man ein Thema findet, zu dem man Bezug hat und das einen interessiert, kann man überlegen, in diesen Bereich auch zu investieren.“

Ein Gewinnerteam gab es am Ende der Projektwoche natürlich auch. Das Team „Prowo-Börse“ hatte mit seinem Depot nach fünf Tagen die Nase vorn. Auch wenn David nicht dazu gehörte, zieht er dennoch ein durchweg positives Fazit. „Ich hätte mich echt geärgert, wenn ich nicht dabei gewesen wäre“, sagt er. Vielleicht werden er und die anderen Projektteilnehmer sogar am Ball bleiben. Der Investment-Club hat sie schon einmal eingeladen, bei seinen Treffen vorbeizuschauen.

 

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