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Nvidia Aktie – Kauft Mr. Market noch rational?

 

Die Nvidia Aktie war wie ihre High-End-Grafikkarten in den letzten knapp zwanzig Jahren insbesondere ein Fall für Zocker. Jahre mit exorbitanten Kursgewinnen von mehreren hundert Prozent wurden von Jahren abgelöst, in denen es bis um 70 oder gar über 80 Prozent mit der Aktie bergab ging.

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Dennoch haben sich langfristig betrachtet wie so oft Geduld und Leidensfähigkeit ausbezahlt. Wer die Aktie seit 2001 im eigenen Depot schlummern ließ, freut sich Stand heute trotz Finanzkrise und COVID-19 Crash über kumulierte Kursgewinne von über 9.000 Prozent. Nach dem rasanten Kursanstieg in den letzten Monaten wird die Aktie nah ihres Allzeithochs gehandelt und die fundamentale Bewertung ist ins scheinbar Unermessliche gestiegen. Wie du gleich sehen wirst, gibt es dafür jedoch gute Gründe, denn das Unternehmen wird mit seinen Produkten unseren zukünftigen Alltag maßgeblich beeinflussen. In dieser Analyse zeige ich dir, ob die Kursgewinne nachhaltig sind oder sich der Preis der Nvidia Aktie zu sehr von ihrem fairen Wert entkoppelt hat.

Nvidia Aktie
Logo
Land USA
Branche Hardware
Isin US67066G1040
Marktkapitalisierung 200,5 Milliarden €
Dividendenrendite 0,2%
Stabilität Dividende 0,89 von max. 1.0
Stabilität Gewinn 0,78 von max. 1.0

So verdient NVIDIA Geld

Nvidia strukturiert sein Geschäft in die zwei Segmente „GPU“ und „Tegra Processor“. Beide Segmente basieren auf Nvidias Grafikprozessoren (GPU=Graphics Processing Unit). Lange Zeit entwickelte das Unternehmen hauptsächlich Grafikkarten für den Gaming-Bereich. Das hat sich jedoch massiv verändert, was ein Grund für das starken Kursgewinne von Nvidia ist. Mittlerweile adressiert das Unternehmen mit seinen beiden Segmenten wichtige Zukunftsmärkte, die für die nächsten Jahre und Jahrzehnte hohes Wachstum versprechen.

Die unterschiedlichen Segmente von Nvidia nach Umsatz (Quelle: FactSet Workstation)

Die unterschiedlichen Segmente von Nvidia nach Umsatz (Quelle: FactSet Workstation)

Das Segment GPU

Im GPU Segment bietet Nvidia Grafikkartenprozessoren für spezielle Anwendungsbereiche und einzelne Zielgruppen an. Der wohl wichtigste Produktbereich war hier lange Zeit die Entwicklung von GeForce Grafikkarten für Gamer. Mittlerweile umfasst das Portfolio aber noch andere Zielgruppen wie Designer (Quadro) und Cloud basierte Visual Computing Anwender (GRID). Gerade der letztgenannte Bereich ist spannend, denn Visual Computing eröffnet zukünftig enorme Möglichkeiten und lässt völlig neue Märkte entstehen.  beispielsweise Virtual Reality und Augmented Reality. Mit Virtual Reality und Augmented Reality lassen sich künstliche Realitäten darstellen oder aber virtuelle Elemente in die bestehende Realität einbetten. Die Anwendungsbereiche solcher Lösungen in Industrie (Bau & Montage), e-commerce (Vorschau von Brillen, Möbeln, Kleidung) und Spielen (Pokemon Go) sind enorm vielfältig. Zudem benötigen große Rechenzentren immer mehr Rechenleistung, um IT-Disziplinen wie künstliche Intelligenz oder Big Data zu meistern. Auch hier wird die Rechenpower der Nvidia-GPUs benötigt.

Das Segment Tegra Processor

Im zweiten Segment bietet Nvidia seine Tegra Prozessoren an. Dabei handelt es sich um sogenannte System-on-a-Chip Lösungen. Darunter kannst du dir eine Art Computer vorstellen, der auf einen einzigen Chip implementiert ist. Vergleichbar ist der Tegra Prozessor mit den ebenfalls im Aktienfinder vorgestellten Produkten von Qualcomm in dessen QTC Segment. Ähnlich wie Qualcomm bietet Nvidia mit seinen Prozessoren Lösungen für zukünftige Megamärkte an. Erwähnenswert sind hier vor allem autonomes Fahren und künstliche Intelligenz (AI=Artificial intelligence). Solche Chips werden nicht nur in Autos eingesetzt, sondern zum Beispiel auch in Drohnen. Daneben findest du Nvidias Tegra Prozessoren unter anderem auch in der beliebten mobilen Spielkonsole Nintendo Switch des japanischen Unternehmens Nintendo.

Zukunftsaussichten

Nvidia ist mit seinen Grafikprozessoren ein großer Player in starken Wachstumsmärkten. Besonders im Bereich „Data Center“ ist Nvidia seit 2016 im Jahresschnitt um 72 Prozent gewachsen und konnte den Umsatz von $339 Millionen auf knapp $3 Milliarden steigern.

Über die Jahre konnte Nvidia vom Wachstum vieler Märkte profitieren und seinen Umsatz mit enormen Wachstumswerten steigern, Quelle: Investoren Präsentation

Über die Jahre konnte Nvidia vom Wachstum vieler Märkte profitieren und seinen Umsatz mit enormen Wachstumswerten steigern (Quelle: Investoren Präsentation)

Du siehst, dass das Unternehmen mit seinen GPU-Lösungen aus vielen für uns alltäglichen Lebensbereichen nicht mehr wegzudenken ist. Dementsprechend groß ist auch die Kundengruppe des Unternehmens. So nutzen mit Amazon, Microsoft, Google, Alibaba und IBM alle großen Player im stark wachsenden Cloud Computing Segment Produkte von Nvidia.

Nvidias Kundenportfolio ist breit gestreut und beinhaltet führende Unternehmen in den jeweiligen Branchen, Quelle: Investoren Präsentation

Nvidias Kundenportfolio ist breit gestreut und beinhaltet führende Unternehmen in den jeweiligen Branchen (Quelle: Investoren Präsentation)

Nvidia hat gegenüber Unternehmen wie Intel einen klaren Vorteil. Als das Unternehmen mit seiner Gründung 1993 begann, eine der ersten 3D-Grafikprozessoren zu entwickeln, konnte noch niemand ahnen, welche überragende Bedeutung GPUs dreißig Jahre später einnehmen würden. Mittlerweile setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die technische Architektur von Grafikprozessoren der Architektur von reinen CPUs (Central Processing Unit), wie Intel sie anbietet, deutlich überlegen ist. Das gilt vor allem für den Bereich der Hochleistungsrecher („High-Performance Computing“ (HPC)). Es ist davon auszugehen, dass GPU-Lösungen diesen Bereich immer stärker dominieren werden. Nach Angaben von Nvidia ersetzt jeder auf GPU basierte Server mehrere CPU-Server. Solche Hochleistungsrechner werden zukünftig weitreichende Anwendungsbereiche haben, die von komplexen Wettersimulationen bis zur sicheren und energiesparenden Speicherung und Verarbeitung von Daten in Netzwerk- und Rechenzentren reichen.

GPU-Lösungen könnten CPU Anwendungen zukünftig in vielen Wachstumsmärkten ablösen, Quelle: Investoren Präsentation

GPU-Lösungen könnten CPU Anwendungen zukünftig in vielen Wachstumsmärkten ablösen (Quelle: Investoren Präsentation)

Nvidias Erfolg ist jederzeit bedroht

Die Wachstumsaussichten in den einzelnen Zukunftsmärkten locken natürlich Konkurrenten an. Nvidia sieht sich gleich an mehreren Fronten starker Konkurrenz ausgesetzt. Im Bereich der Grafikchips und GPU basierten System-on-a-Chip Lösungen liefert sich Nvidia mit dem Unternehmen Advanced Micro Devices (AMD) schon seit Jahrzehnten einen spannenden Wettkampf um die leistungsstärksten Produkte. Im Bereich autonomes Fahren ist vor allem Intel nach der Übernahme des israelischen Unternehmen Mobileye für über $15 Milliarden im Jahr 2017 ein ernstzunehmender Konkurrent.

Trotzdem ist zu erwarten, dass Nvidia auch zukünftig vom technischen Fortschritt profitieren wird und diesen sogar maßgeblich mit seinen Produkten mitgestaltet. Du musst dir aber bewusst sein, dass Nvidia auf keinem der genannten Märkte ein Monopolist mit einem starken Burggraben ist. Vielmehr herrscht ein ständiger Innovationsdruck, und vermeintlich sichere Marktanteile können mit dem nächsten Produktzyklus in sich zusammenfallen. So wird AMD sowohl für die neue PlayStation 5 von Sony als auch für die neue Xbox von Microsoft die Grafikchips liefern.

So profitabel wächst Nvidia

Über einen längeren Zeitraum betrachtet, ist Nvidia stark gewachsen. Innerhalb von zehn Jahren konnte das Unternehmen seinen Umsatz von $3,3 Milliarden Umsatz im Jahr 2010 auf über $11 Milliarden in 2020 steigern. Zuletzt ist der Umsatz in beiden Segmenten jedoch gesunken. Das GPU Segment schrumpfte im Januar 2020 abgelaufenen Geschäftsjahr um 7 Prozent, während das Tegra Segment 6 Prozent weniger Umsatz generierte. Die Gründe waren vor allem ein sinkender Absatz von Grafikkarten für Spiele und Spielekonsolen.

Entwicklung der Umsätze der Nvidia Aktie im Aktienfinder

Entwicklung der Umsätze der Nvidia Aktie im Aktienfinder

Auch die Gewinne verzeichneten im letzten Geschäftsjahr erstmals seit 2016 einen Rückgang. Die Entwicklung des Cash Flows ist jedoch überragend. So haben sich der operative sowie der freie Cash Flow seit 2016 nahezu vervierfacht. Nach Abzug aller Betriebskosten bleibt dem Unternehmen dementsprechend eine Menge Cash in der Kasse, die es für Dividenden, Aktienrückkäufe oder weiteres Wachstum verwenden kann.

Gewinne, CashFlows der Nivida Aktie im Aktienfinder

Gewinne, CashFlows der Nivida Aktie im Aktienfinder

NVIDIA geht in seiner Prognose davon aus, dass das Wachstum im Jahr 2020 wahrscheinlich etwas abflacht. Insbesondere die Margen und das Betriebsergebnis sollen 2020 sinken. Das Coronavirus wird vermutlich ebenfalls nachteilige Auswirkungen auf Nvidia haben. Wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen weiter verschlechtern und die hohen Arbeitslosenquoten bestehen bleiben, könnten Kunden und Verbraucher Aufträgen oder den Kauf neuer Computer mit Nvidia Grafikkarten verschieben. Wie du im Aktienfinder siehst, soll das Wachstum langfristig allerdings wieder anziehen. Nvidia hat sich vor allem mit zwei Übernahmen im Bereich der stark wachsenden Datencenter verstärkt und die Unternehmen Mellanox und Cumulus Networks übernommen. Mit ihnen will Nvidia eine gänzlich neue Geschäftseinheit für seine Datencenter- und Netzwerkgeschäfte aufbauen.

Für eine hohe Dividendenrendite bedarf es Geduld

Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 0,18 Prozent ist Nvidia für Dividendeninvestoren eher uninteressant. Allerdings ist das Unternehmen noch ein junger Dividendenzahler und hat erst im Jahr 2013 angefangen, Teile des Gewinns an die Aktionäre auszuschütten. Zwar hat Nvidia die Ausschüttungen jedes Jahr gesteigert, die Steigerungsrate hat aber zuletzt nachgelassen. Während Nvidia in den letzten fünf Jahren die Dividende im Durchschnitt noch um starke 13,5 Prozent anhob, betrug die Dividendensteigerung im letzten Jahr lediglich 4.9 Prozent.

Nvidia Dividendenhistorie
Trotzdem lohnt hier ein Blick auf die persönliche Dividendenrendite (englisch Yield on Cost). Die persönliche Dividendenrendite berechnet die Dividendenrendite basierend auf dem Einstiegskurs anstelle des aktuellen Kurses Wer die Nvidia Aktie beispielsweise im Jahr 2013 gekauft hat, also zu einem Zeitpunkt, in dem Nvidia schon längst einer der größten Grafikkartenhersteller der Welt war, kann sich jetzt über eine jährliche Dividendenrendite von 5 Prozent auf das investierte Kapital freuen. Mit den zuletzt eher geringeren Erhöhungen der Dividende könnte es bei der gegenwärtigen Ausgangsrendite allerdings schwierig werden, in absehbarer Zeit auf eine ähnlich hohe persönliche Dividendenrendite zu kommen.

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Über den Autor

Torsten Tiedt ist seit 2006 Softwareexperte in der Investmentindustrie. Unzufrieden mit den bestehenden Aktienscreenern hat er eine Lösung für das Aufspüren von Buy-And-Hold-Investments implementiert, die sich vor der großen Konkurrenz aus den USA nicht verstecken muss. Mehr dazu auf Aktienfinder.Net.