Ad hoc-Mitteilungen

Trump in Brüssel, Brexit und China: Höchstmaß an politischem Störfeuer

Die DAX-Rally letzte Woche war schön aber es droht neues Ungemach in einer mit politisch höchst brisanten Handelswoche. Trump kommt nach Europa, und zwar mit einem möglichen Rezessionssignal aus der eigenen Wirtschaft im Rücken. Immer wenn die Geldleihe für zehn Jahre günstiger wird als für zwei Jahre droht Ungemach, in der Vergangenheit war das ein ziemlich sicherer Rezessionsalarm. Dieser Rezessionsalarm steht kurz bevor, die Zinskurve in den USA ist fast flach.

 

Die Notenbank in den USA hat sich bereits darauf festgelegt, dieses Signal ignorieren zu wollen und führt es auf die außergewöhnliche geldpolitische Situation nach der Finanzkrise zurück, sie wird also ihren automatischen Kurs der geldpolitischen Normalisierung fortführen und dem Markt jetzt immer mehr und mehr Liquidität entziehen. Das Risiko einer geldpolitischen Fehlentscheidung wächst.

 

Das wird auch daran deutlich, dass die Zinsen in Deutschland wieder fallen, nach fast 1,5% muss der Bund jetzt nur noch knapp unter 1% für die Geldleihe über 30 Jahre zahlen. Das ist kein Verhalten, das man erwarten würde, wenn die EZB auf ein Ende der Anleihekäufe und baldige Zinsanhebungen hindeutet. Die Zentralbanken wollen sich unbedingt einen Puffer an Zinsanhebungen erarbeiten, um den Aufschwung zu nutzen. Was ist aber, wenn der Aufschwung jetzt schon zu Ende ist?

 

Nimmt man hierzu noch die Tatsache, dass die Schulden der Regierungen weiter steigen, Bewertungen von Aktien auf einem sehr hohen Niveau verharren und wir - zumindest verbal betrachtet - den größten Handelskrieg aller Zeiten erleben haben wir es mit Risiken zu tun, die man nicht einfach so von der Hand weisen kann. 

 

Die amerikanische Bank Morgan Stanley meint sogar, dass die Wall Street schon seit Dezember im Bärenmarkt ist und dass die neuen Allzeithochs im Januar lediglich eine Übertreibung gewesen sind. Ich halte das für nicht ausgeschlossen. Die Frage, die über allem thront, ist, ob es nochmal besser werden kann als im Januar, ob die Margen der Firmen nochmal höher steigen, ob der Welthandel noch wächst, ob auf den synchronen starken Aufschwung noch mehr Aufschwung nachfolgen wird. Wenn nicht ist es nur eine Frage des wann. Wann werden die Stops derer erreicht, die drinbleiben, weil sie keine andere Anlageidee haben?

 

In dieser Woche dreht sich alles um das Weißpapier mit den Brexit-Vorschlägen der britischen Regierung. Wenn es zurückgewiesen wird wächst das Risiko für einen harten Brexit, einen Rausschmiss aus der EU. Am Freitag dieser Woche ist der US-Präsident in Großbritannien, aber nicht in London, wo man Proteste und Ausschreitungen befürchtet, man hat ja gesehen wie schnell die Kontrolle über Teile einer Stadt verloren gehen können, als in Hamburg der G20-Gipfel stattfand. Um das zu vermeiden geht Trump nach Chequers, den Landsitz der Premiers, und trifft dann die Royals in Windsor. Eigentlich traurig, aber das ist die Situation. Am Mittwoch ist Trump bereits in Brüssel, dort findet der NATO-Gipfel statt. Am Wochenende fliegt Trump nach Helsinki, wo er am Montag in einer Woche mit Putin zusammentreffen wird. Gleichzeitig geht es für das politische Brüssel am Sonntag nach Peking zum 20. Chinesisch-Europäischen Wirtschaftsgipfel. China sucht im Handelskonflikt den Schulterschluss mit Brüssel und gegen Washington. Bereiten Sie sich also vor auf ein Höchstmaß an politischen Störfeuers für den DAX, dessen übergeordnete Richtung auch nach der letztwöchigen Rally weiter abwärts gerichtet ist.

 

 

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Über den Autor

Bevor Jochen Stanzl 2015 zu CMC Markets kam, startete er seine Karriere in der Finanzdienstleistungsbranche als Mitbegründer der BörseGo AG. Heute präsentiert er täglich "CMC Espresso", ein Video mit Marktprognosen, das auf dem deutschsprachigen YouTube Kanal von CMC Markets zu sehen ist.