Das Gespenst der Schuldenkrise ist wieder sichtbar

Schon im Vorfeld des Jahrestreffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit der Weltbank auf Bali hat IWF-Chefin Christine Lagarde die eigene Prognose kassiert. Anstatt eines globalen Wachstums von 3,9% für 2018 und 2019 rechnet der IWF nun nur noch mit 3,7%. Eine wesentliche Ursache dafür ist in der Wirtschafts- und Steuerpolitik von D. T., dem Unberechenbaren, begründet. Da sind zum einen seine protektionistische Handelspolitik und zum anderen die prozyklische Steuerpolitik, die den Boom in den USA künstlich befeuern. Das mag noch eine Weile gut gehen, zumindest für die USA. Aber spätestens 2020, wenn Trump zur Wiederwahl steht und seine Steuergeschenke auslaufen, droht diese Methode zum Risiko zu werden. Erst recht, weil das staatliche Anschieben der Konjunktur auf Schulden gebaut ist.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der IWF den Aspekt Schulden überhaupt wieder ins Bewusstsein bringt. Nachdem das Thema lange Zeit an den Märkten ignoriert wurde, warnt der Fonds vor den Gefahren der inzwischen erreichten Rekordverschuldung. Mit 182 Billionen US-Dollar stehen öffentliche und private Haushalte weltweit in der Kreide, was 60% mehr sind als noch vor der Finanzkrise im Jahr 2007. Diese Häufung aber mache Regierungen und Unternehmen anfälliger für eine Straffung der geldpolitischen Bedingungen, wie Lagarde betonte und legte damit den Finger in die Wunde.

Schwellenländer wären am heftigsten betroffen

Am heftigsten dürften davon allerdings nicht die reichen Länder tangiert werden. Falls sich die US-Notenbank Federal Reserve angesichts der Überhitzungstendenzen in der US-Wirtschaft genötigt fühlen sollte, die Zinsschraube noch deutlicher anzuziehen, so würde dies Entwicklungs- und Schwellenländer am härtesten treffen. Da dies den Außenwert des US-Dollars weiter erhöhen würde und diese Länder häufig in US-Dollar verschuldet sind, bedeutet das oftmals einen drastischen Anstieg der Refinanzierungskosten. Und zu allem Übel setzt ein solches Szenario die Währungen der Schwellenländer weiter unter Druck, was dann zum Teufelskreis werden kann.

Nicht von Ungefähr musste der Weltwährungsfonds Argentinien bereits mit 50 Mrd. US-Dollar unter die Arme greifen und die Türkei sowie Pakistan sind die meistgehandelten Anwärter auf eine Unterstützung seitens der Weltgemeinschaft. Nun davon zu reden, das Gespenst der Schuldenkrise sei zurück, ginge an der Wahrheit vorbei. Das Gespenst war nie weg. Es war für manche nur unsichtbar.

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Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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