Ad hoc-Mitteilungen

Griechische Großbanken überstehen Stresstest ohne große Blessuren

Die Flagge von Griechenland.
Die Flagge von Griechenland. pixabay.com pixabay.com

FRANKFURT/ATHEN (dpa-AFX) - Die griechischen Großbanken haben den jüngsten Stresstest der europäischen Bankenaufsicht ohne ganz große Blessuren überstanden. Das geht aus den am Samstag veröffentlichten Ergebnissen der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor.

Demnach erwiesen sich die inzwischen wieder aufgebauten Kapitalpuffer der vier untersuchten Institute - Alpha Bank, Eurobank, NBG und Piraeus Bank - als halbwegs krisenfest. Vor allem die Piraeus Bank muss nach eigener Einschätzung allerdings noch weitere Hausaufgaben erledigen. Man bleibe in der Pflicht, die Pläne für eine weitere finanzielle Stärkung der Bank umzusetzen, erklärte der Chef der Bank, Christos Megalou, am Samstag in Athen.

Griechenlands Banken hatten im Laufe der Schuldenkrise des Landes infolge eines Schuldenschnitts fast ihr gesamtes Eigenkapital verloren und mussten mit mehreren Finanzspritzen des griechischen Staates aufgefangen werden. Das Geld stammte größtenteils aus Mitteln der drei internationalen Hilfspakete, mit denen Griechenland seit 2010 vor dem finanziellen Zusammenbruch bewahrt wird. Das letzte Programm soll im Sommer 2018 auslaufen.

Größtes Problem der griechischen Banken sind derzeit weiterhin hohe Kreditrisiken. "Wir sind noch nicht über dem Berg. Und müssen gut aufpassen, aber wir werden es schaffen", sagte einer der bekanntesten griechischen Top-Banker der Deutschen Presse-Agentur, wollte aber namentlich nicht genannt werden.

Die griechische Finanzindustrie sitze auf etlichen "faulen" Krediten, deren Rückzahlung ungewiss sei. Es gehe um "gewaltige Summen in Höhe von gut 100 Milliarden Euro", sagte der Banker. Viele Banken verkauften Immobilien säumiger Kunden bei Auktionen zum Teil zu Schleuderpreisen, um wenigstens einen Teil der Kreditsumme einzufahren.

Die Bankenaufsicht hatte auf Basis der Geschäftszahlen von Ende 2017 durchgerechnet, wie sich die Kapitalpolster der Banken entwickeln, wenn die - aktuell tatsächlich auf Erholungskurs steuernde - griechische Wirtschaft erneut in eine schwere Wirtschaftskrise rutschen würde. Unterstellt wurde in diesem so genannten "adversen Szenario" eine mehrjährige Durststrecke, in der die Wirtschaftsleistung 2018 um 1,3 und 2019 um 2,1 schrumpft, um 2020 mit plus 0,2 Prozent wieder minimal zu wachsen - mit entsprechenden Folgen zum Beispiel für das Ausfallrisiko bei Krediten. Wichtigste Kennziffer ist das so genannte harte Kernkapital im Verhältnis zu den Risikopositionen der jeweiligen Bank.

Dem Stresstest zufolge würde die Alpha Bank die angenommene neuerliche Rezession am besten überstehen - mit einer Kernkapitalquote von dann immer noch 9,7 Prozent im Jahre 2020. Bei Eurobank (6,8) und NBG (6,9) fiele der Wert stärker - am schlechtesten schlug sich die Piraeus Bank (5,9).

Anders als bei dem spektakulären europaweiten Stresstest 2014 hatte die Bankenaufsicht - wie schon 2016 - allerdings auch diesmal keine Kapitalquoten vorgegeben, die zu erfüllen waren. Es handele sich nicht um eine Übung, bei der am Ende ein "Bestanden" oder "Durchgefallen" stehe, betonte die EZB in ihrer Mitteilung. Zur Orientierung: 2014 hatte die EZB verlangt, dass auch in einem Krisenszenario die Kapitalquote nicht unter die Schwelle von 5,5 Prozent fällt./kf/DP/he

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Quelle: dpa-AFX