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Goldpreis und die aktuellen Krisen: War da was?

Mehrere 1000-Gramm-Goldbarren.
Mehrere 1000-Gramm-Goldbarren. - HASH(0x561efdbbd808)

Über der Ukraine wird ein Passagierflugzeug abgeschossen, in Gaza eskaliert der Krieg, in europäischen Ländern flammt Antisemitismus auf – explosiver könnte die geopolitische Lage derzeit kaum sein. Wer damit rechnet, dass Anleger vermehrt in Gold flüchten, sieht sich allerdings getäuscht. Vor allem wegen der sich erholenden US-Wirtschaft sind Investoren offenbar zurückhaltend.

GoldbarrenKiel, 25.07.2014 (ARIVA.DE / es) Ronald Gehrt, Charttechnik-Experte bei ING Markets, brachte es am vergangenen Freitag auf den Punkt: „Die Gemengelage bleibt außerordentlich unwägbar“, schrieb er in einer Analyse zur Entwicklung des Goldpreises. „Außerordentlich unwägbar“ also. Nur einen Tag zuvor war bekannt geworden, dass ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines über der Ukraine vermutlich abgeschossen worden war. Binnen von Minuten nach der Nachricht kam etwas Bewegung in den zuvor lustlosen Goldhandel an der Börse. Der Preis kletterte zwar schlagartig, aber eben doch nicht so stark, wie man hätte vermuten können. Und das, obwohl parallel auch in Gaza der Krieg eskalierte. Eine panikartige Flucht in die vermeintlich sicherer Anlage sieht anders aus. „Gold kann aus dem Aufwallen der geopolitischen Risiken kein Kapital schlagen“, urteilt Marktbeobachter Tom Jennemann für das US-Portal bulliondesk.com.

Seit rund einem Jahr pendelt der Preis für die Feinunze Gold nunmehr zwischen 1200 und 1400 US-Dollar. Historisch gesehen mag Gold damit zwar immer noch als teuer gelten, allerdings wurden noch im Jahr 2012 Kurse zwischen 1600 und 1900 US-Dollar je Feinunze gezahlt. Doch davon ist das gegenwärtige Preisniveau doch ein ganzes Stück entfernt. Vor allem, weil Investoren die Drosselung der Anleihenkäufe durch die US-Notenbank Fed und damit eine Kehrtwende in der US-Geldpolitik erwarteten, hatte sich Gold im Jahr 2013 um rund 27 Prozent verbilligt. Seither befindet sich der Preis in einer volatilen Seitwärtsbewegung – mit Ausschlägen nach unten und nach oben.

Warum steigt der Goldpreis trotz der Kriege und Krisenherde derzeit nicht stärker an? Weil eine ganze Reihe von Einflussfaktoren auf den Goldpreis einwirken – in unterschiedliche Richtung. Das Edelmetall wird zum Beispiel auch zum Schutz gegen Inflation gekauft. Als im Juni in den USA die jüngste Teuerungsrate höher ausfiel als erwartet, hatte dies Gold tatsächlich zu einem zwischenzeitlichen Preisanstieg verholfen.

Demgegenüber stehen allerdings die zuletzt guten volkswirtschaftlichen Daten aus den USA. Weil sie auf eine solide Wirtschaftsentwicklung hindeuten, rechnen Beobachter schon im kommenden Jahr mit ersten Zinserhöhungen der Fed. Und weil Gold für Anleger keine Zinsen abwirft, zügelt ein Zinsanstieg die Nachfrage nach dem Edelmetall. „Die zentrale Frage in den nächsten Monaten wird sein, ob die US-Notenbank nicht schon früher mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik beginnt“, meint Sören Wiedau von der Weberbank. „Wir erwarten die erste Zinserhöhung im zweiten Quartal 2015. Sollte sich der Arbeitsmarkt doch stärker stabilisieren als gedacht, kann eine frühere Zinsanhebung nicht ausgeschlossen werden.“

Rund die Hälfte der weltweiten Nachfrage nach Gold in Form von Schmuck, Barren oder Münzen durch Konsumenten kommt nach Angaben des World Gold Councils aus China und Indien. In China scheint die Nachfrage gegenwärtig weiter verhalten und deutlich geringer als im Vorjahr zu sein. Das geht zum Beispiel aus jüngsten Erhebungen der Bank Macquarie hervor. Analyst Thorsten Proettel von der LBBW sah das zuletzt genauso. „Angesichts der leichten Yuan-Abwertung, die Gold in lokaler Währung verteuert, und vor dem Hintergrund des etwas zurück gehenden Wirtschaftswachstums rechnen wir nicht mit einem baldigen Wiederanstieg“, schrieb er Ende Juli in einem Bericht zu Goldmarkt.

Indien hatte im vergangenen Jahr den Import von Goldmünzen und -barren zur Stabilisierung der eigenen Währung beschränkt. Die neue Regierung von Premier Narendra Modi hat diese Beschränkung entgegen einiger Erwartung bisher nicht aufgehoben. Auch das hilft dem Goldpreis nicht auf die Sprünge.

All diese Überlegungen zeigen, dass die geopolitischen Spannungen den Goldpreis zur Zeit mehr stützen als in die Höhe treiben. Schnell kann sich das Bild allerdings ändern – offenbar in beide Richtungen. Charttechnik-Experte Ronald Gehrt hat Gold erst einmal „unter besondere Beobachtung“ gesetzt. Die Lage bleibt eben außerordentlich unwägbar.

Foto/Copyright: © Oleksiy Mark/shutterstock.com

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