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800 chinesische Unternehmen vor dem Börsengang? Weltweit deutlich weniger IPOs als im Vorjahr

Deutlich weniger Unternehmen als im Vorjahreszeitraum haben weltweit im ersten Halbjahr 2016 den Sprung an die Börse gewagt. Besonders mau sieht es auf dem deutschen IPO-Markt aus. Der größte internationale Coup gelang dem dänischen Spezialisten für Offshore-Windparks Dong Engery.
IPO-Schriftzug als Würfel-Mosaik
IPO-Schriftzug als Würfel-Mosaik - © Imagentle Shutterstock.com

Eine Vielzahl gewichtiger Unsicherheitsfaktoren schreckt Unternehmen weltweit derzeit offenbar ab, sich durch die Ausgabe von Aktien über den Kapitalmarkt frisches Geld zu besorgen. Im ersten Halbjahr 2016 wagten lediglich 437 Unternehmen erstmals den Sprung an die Börse. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es noch 631 Unternehmen gewesen (minus 31 Prozent). Noch deutlicher wird der Unterschied beim Emissionsvolumen: Bei den Börsengängen von Januar bis Ende Juni 2016 wurden insgesamt 43 Milliarden US-Dollar eingesammelt, fast 60 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2015. Diese Zahlen gehen aus einer neuen Analyse der Beratungsgesellschaft EY hervor.

Regelmäßig untersucht EY die Zahl bei Erstnotizen (initial public offering, IPO) an den Börsen rund um den Globus. Vor allem die ungewissen Auswirkungen der Brexit-Entscheidung in Großbritannien, die Sorge vor einer Zinsanpassung durch die Fed und die anstehende Präsidentenwahl in den USA belasten nach Ansicht der Experten derzeit die Stimmung. Potenzielle Börsenkandidaten warteten schlicht ab, um günstigere Zeitfenster für die Platzierung ihrer Anteilsscheine zu finden. Aufgehoben sei aber nicht aufgeschoben: Sobald wieder mehr Klarheit herrsche, sollte sich die Stimmung schnell aufhellen, da es eine Vielzahl von Unternehmen gäbe, die für einen baldigen Börsengang in Frage kommen. Die IPO-Pipeline in vielen Schlüsselregionen sei gut gefüllt, und zwar quer durch die verschiedenen Branchen, heißt es in der Analyse.

Mehr als die Hälfte der IPOs im Raum Asien/Pazifik

Den größten Börsengang im ersten Halbjahr 2016 gemessen am Emissionsvolumen legte der dänische Spezialist für Offshore-Windparks Dong Engery hin. Das Unternehmen konnte mit der Aktienausgabe 2,6 Milliarden US-Dollar erlösen, nach derzeitigem Kurs sind das mehr als 2,3 Milliarden Euro. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Analyse zufolge MGM Growth Property, ein Real-Estate-Investment-Trust aus den USA, und die US Food Holding Corporation, einer der größten Lebensmittelhändler und Gastronomie-Lieferanten in den USA (Emissionsvolumen je 1,2 Milliarden US-Dollar). Mehr als die Hälfte der weltweiten IPOs entfielen der Analyse von EY zufolge auf die Börsen in Asien und dem Pazifikraum. Dabei stammten viele der neu notierten Unternehmen aus China oder Japan. Gerade in China (Festland) sei die IPO-Pipeline mit weiteren 800 Unternehmen besonders gut gefüllt. Einziges europäisches Land unter der Top 6 Nationen nach Emissionsvolumen ist der Studie zufolge Großbritannien.

Zehn neue Unternehmen an der Deutschen Börse

Der Statistik der Deutschen Börse zufolge sind im ersten Halbjahr 2016 lediglich zehn neue Unternehmen in Frankfurt neu geführt worden (siehe Auflistung unten), fünf weniger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. In dieser Statistik sind sowohl IPOs im klassischen Sinne enthalten, bei denen das Unternehmen seine Aktien der Öffentlichkeit zur Zeichnung angebietet, als auch Börsengänge im Sinne einer bloßen Zulassung in einem öffentlich-rechtlich organisierten Markt sowie Notierungsaufnahmen im nicht vom Gesetzgeber regulierten Freiverkehr.

Erst vor wenigen Tagen gab die Deutsche Börse bekannt, dass sie Ende September mit ihrem Venture Match ein neues Angebot starten wird, bei dem junge Unternehmen leichter Investoren für die Finanzierung von Wachstumsplänen finden können. Der Service baut auf einer seit einem Jahr bestehenden Plattform auf, die aktuell knapp 200 internationale Investoren und mehr als 100 Wachstumsunternehmen aus Deutschland und Europa verbindet. Startup-Unternehmen sollen damit bereits vorbörslich unterstützt und bis zu einem möglichen Börsengang begleitet werden.

 

Die Erstnotizen an der Deutschen Börse im ersten Halbjahr 2016:

Prime Standard (höchstes Transparenzlevel im Regulierten Markt)
B.R.A.I.N. Biotechnology
Sektor: Biotechnologie
Börsengang: 9. Februar
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 150,2 Millionen Euro
Erster Kurs: 9,15 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 11,00 Euro

Senvion
Sektor: Windenergie/Industrie
Börsengang: 23. März
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 1,04 Milliarden Euro
Erster Kurs: 15,75 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 15,545 Euro

Diebold
Sektor: Technologie
Börsengang: 12. August
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 2,3 Milliarden Euro
Erster Kurs: 25,67 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 23,50 Euro

General Standard (Mindesttransparenzlevel im Regulierten Markt)
SPOBAG
Sektor: Finanzdienstleistungen
Börsengang: 16. Februar
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 14,5 Millionen Euro
Erster Kurs: 29,00 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 29,05 Euro

Decheng Technology
Sektor: Chemie
Börsengang: 28. Juni
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 110,6 Millionen Euro
Erster Kurs: 3,60 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 2,401 Euro

CIECH
Sektor: Chemie
Börsengang: 23. August
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 776,8 Millionen Euro
Erster Kurs (09.09.): 14,321 Euro
Aktueller Kurs: 14,708 Euro

Entry Standard (Teilbereich des Open Market, Transparenzstandard nicht vom Gesetzgeber geregelt)
SendR
Sektor: Medien
Börsengang: 30. März
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 24 Millionen Euro
Erster Kurs: 20,00 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 18,025 Euro

MyBucks
Sektor: Finanzdienstleistungen
Börsengang: 23. Juni
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 152 Millionen Euro
Erster Kurs: 13,50 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 18,005 Euro

A.H.T. Syngas Technology
Sektor: Versorger
Erstnotiz: 1. Juli
Marktkapitalisierung bei Erstnotierung: 7,5 Millionen Euro
Erster Kurs: 5,00 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 3,451 Euro

uhr.de
Sektor: Handel
Börsengang: 18. August
Marktkapitalisierung bei Erstnotiz: 4,05 Millionen Euro
Erster Kurs: 4,50 Euro
Aktueller Kurs (09.09.): 4,55 Euro

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