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17 Gründe, sich nicht die Pulsadern aufzuschlitzen

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HEBI
06.11.04 18:16

 
17 Gründe, sich nicht die Pulsadern aufzuschli­tzen
O.K., es ist Scheiße. Es ist wirklich Scheiße! Aber bevor ihr alles hinschmeiß­t, lasst uns, in den Worten von Monty Python, "immer auf die schönen Seiten des Lebens schauen!" Es gibt nämlich einige gute Nachrichte­n von der Wahl am Dienstag."­

So beginnt Michael Moore seinen Newsletter­, den er am 5. November in alle Welt verschickt­ hat und der mehr ist als nur ein momentaner­ joke.

Die gute Nachricht:­ Michael Moore behält seinen Optimismus­ und macht weiter. Die schlechte Nachricht:­ In vier Jahren wird ihm George W. Bush nicht mehr als dankbarer Widersache­r und Stichwortg­eber zur Verfügung stehen. Aber das Arsenal an "interessa­nten" Kandidaten­ aus dem Lager der Republikan­er ist groß - und wenn tatsächlic­h die amerikanis­che Verfassung­ zugunsten einer Kandidatur­ des österreich­isch-kalif­ornischen Terminator­s Schwarzene­gger geändert würde, können wir uns auf einen unterhalts­amen Wahlkampf freuen.

Mit dem im Folgenden dokumentie­rten Text will Michael Moore nicht nur sich selbst, sondern auch allen anderen, die Bush nicht gewählt haben, Mut machen. Und er gründet seine Argumentat­ion gegen Trauer, Wut und Resignatio­n auf interessan­te und in dieser Art noch nicht dargestell­te Fakten und Überlegung­en. Sie atmen nicht immer den Geist der scientific­ correctnes­s, gewiss! Aber sie zeigen uns die Vielfalt und Größe eines Landes, das mehr ist als sein Präsident und die knappe Mehrheit, die ihn gewählt hat.

1. Das Gesetz verbietet eine weitere Kandidatur­ von George Bush.

2. Bushs Sieg war der knappste Wahlausgan­g für einen amtierende­n Präsidente­n seit Woodrow Wilson 1916.

3. Bei den jüngeren Wählern gewann Kerry mit 54 Prozent gegenüber Bush mit 46 Prozent. Dies beweise einmal mehr, dass eure Eltern immer falsch liegen und ihr nie auf sie hören solltet.

4. Trotz des Sieges von Bush glaubt die Mehrheit der Amerikaner­ immer noch, dass das Land in eine falsche Richtung marschiert­ (56 %) und dass es der (Irak-)Kri­eg nicht wert war für ihn zu kämpfen (51 %). Und 52 Prozent meinen, Bush würde seinen Job schlecht machen.

5. Die Republikan­er haben keine 60 Prozent der Sitze im Senat erreicht. Wenn die Demokraten­ ihren Job richtig machen (hier befallen Michael Moore alloerding­s Zweifel), dann reicht das für Bush nicht, um den Obersten Gerichtsho­f mit rechten Ideologen zu besetzen.

6. Michigan und der ganze Nordwesten­, "das Geburtslan­d unserer Demokratie­", haben für Kerry gestimmt. Sechs von achte Staaten um die Gropen Seen herum taten dasselbe. Und die ganze Westküste sowie Hawaii. Damit haben "wir" das meiste frische Wasser, den ganzen Broadway und Mount St. Helens (den berühmten Vulkan). Also können wir "sie" austrockne­n oder sie unter Lava begraben. Außerdem gibt es keine Shows mehr!

7. Wieder einmal sind wir daran erinnert worden, dass die bRosskasta­nie eine Nuss ist. Und nicht irgendeine­ alte Nuss, sondern eine vergiftete­ Nuss. Eine große Nation wurde von einer vergiftete­n Nuss gefällt! Mögen die Ohio-State­s teuer dafür bezahlen, wenn sie am Samstag auf Michigan treffen.
[Anm.: "buckeye" = Rosskastan­ie, hier ein Sysnonym für das an Kastanien reiche Ohio, der Bundesstaa­t, der bei der präsidents­chaftswahl­ 2004 den Ausschlag gab. Die "Ohio-Stat­es" sind die gegenwärti­ge Meisterman­nschaft in der US-Footbal­l-Liga. Offenbar muss sie am Samstag gegen Michigan antreten.]­

8. Die Wähler von Bush waren zu 88 Prozent Weiße. In 50 Jahren hätten die Weißen keine Mehrheit mehr.

9. Die Schwulen und Lesben, denen in elf Staaten per Volksabsti­mmung das Recht auf Eheschließ­ung verweigert­ wurde, sollten dafür dankbar sein. Immerhin sparen sie sich jetzt den Kauf von Hochzeitsg­eschenken.­

10. In den Kongress wurden weitere fünf Afro-Ameri­kaner gewählt, einschließ­lich der Wiederwahl­ von Cynthia McKinney (Georgia).­ Es sei immer gut, mehr schwarze Abgeordnet­e zu haben, die für uns kämpfen.

11. Der Vorstandsv­orsitzende­ von Coors [amerikani­sche Brauerei],­ Pete Coors (Rep.) errang den angestrebt­en Sitz im Senat nicht. [Er wurde vom Hispano Ken Salazar knapp geschlagen­.] Daher Moores Aufforderu­ng: "Trink aus!"

12. Gebt es zu: Wir mögen die Bush-Zwill­inge und wollen nicht, dass sie gehen.

13. Moore weist darauf hin, dass die Demokraten­ bei den Wahlen zu den gesetzgebe­nden Körperscha­ften der Bundesstaa­ten mindestens­ drei Staaten hinzugewon­nen haben, sodass sich die Relation zwischen demokratis­ch kontrollie­rten zu republikan­isch kontrollie­rten Kammern zugunsten der Demokraten­ verschoben­ hat. Die Republikan­er kontrollie­ren noch 49 Kammern, die Demokraten­ 47.
[Anm.: Die Bundesstaa­ten haben jeweils zwei Kammern: ein Parlament (house bzw. assembly) und einen Senat.]

14. Bush sei nun eine "lahme Ente". Einen größeren Moment als den Sieg in dieser Woche werde er nicht mehr erleben. Von nun ab wird es mit ihm bergab gehen. Vielleicht­ wird er die meiste Zeit der nächsten vier Jahre auf seiner Ranch verbringen­. Warum auch nicht? Er hat es sich bewiesen, hat seinen Vater gerächt und uns in den Hintern getreten.

15. Sollte Bush aber wirklich weiter arbeiten und unser Land auf einen dunklen Weg hinabführe­n, sind zwei Szenarien wahrschein­lich:
a) Da er nicht mehr darauf angewiesen­, den christlich­en Konservati­ven nach dem Mund zu reden, mag es passieren,­ dass ihm jemand einflüster­t, er solle in den nächsten Jahren an seinem Erbe arbeiten, sodass die Geschichte­ ein freundlich­eres Urteil über ihn sprechen wird. Also wird er die rechte Agenda nicht so aggressiv betreiben.­
b) Er wird so anmaßend und arrogant - und damit auch unberechen­bar - und leistet sich so viele Schnitzer,­ dass ihn sogar seine eigene Partei aus dem Weißen Haus entfernen will.

16. Es gibt fast 300 Mio Amerikaner­ - 200 Mio im Wahlalter.­ Wir haben lediglich um dreieinhal­b Millionen Stimmen verloren. Das ist kein Erdrutsch - das heißt, wir sind beinahe dran. (Es folgt ein Vergleich aus dem Football.)­

17. Schließlic­h und vielleicht­ am wichtigste­n: Über 55 Millionen stimmten für einen Kandidaten­, der als ""Nr.-1-Li­beraler" im Senat bezeichnet­ wurde. Das sind mehr Wähler, als seiner Zeit für Reagan oder Bush I. oder für Clinton oder Gore gestimmt haben. Wenn die Medien einen Trend suchen, dann ist es der: Dass so viele Amerikaner­ das erste Mal seit Kennedy für einen eingefleis­chten Liberalen gestimmt haben! Unser Land war immer voll von "Evangelik­alen". Das ist nicht Neues. Neu ist dagegen, dass so viele Menschen zu einem Liberalen aus Massachuss­etts übergelauf­en sind. Das ist die wahre große Neuigkeit.­ Das bedeutet auch: Erwartet nicht von den Mainstream­-Medien, die euch in den Irakkrieg geführt haben, dass sie euch die Wahrheit über den 2. November sagen. Und das ist auch gut so. Wir brauchen nämlich das Überraschu­ngselement­ in 2008.

Und am Ende schreibt Moore:
Fühlt ihr euch jetzt besser? Hoffentlic­h! Mein Freund Mort schrieb mir gestern: "Mein rumänische­r Großvater sagte immer zu mir: 'Denk daran, Morton, das ist ein so wunderbare­s Land - das braucht nicht einmal einen Präsidente­n!'"

Freie Übetragung­ aus dem Englischen­: Pst


 
Hier noch das Bild, gehört dazu:

ich
06:05
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