Auswahl: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Derivate

Ein Derivat (lat. derivare = ableiten, umleiten) kann sowohl zur Absicherung gegen Wertverluste als auch zur Spekulation auf Kursgewinne dienen.

Definition

Derivate sind Termingeschäfte, die auf Grundlage bestimmter Basiswerte (Underlyings) bestehen. Ihr Preis richtet sich also nach Kursschwankungen oder Preiserwartungen anderer Investments, die sich überproportional auf sie auswirken. Derivate hängen nach§2 II WpHG vom Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten, Zinssätzen, Waren, Edelmetallen oder Devisen ab. Vertragspartner beim börslichen Handel ist immer die Clearingstelle. An Terminbörsen gehandelte Finanzprodukte sind standardisiert, während außerbörsliche Derivate (OTC-Derivate) auf bilateraler gehandelt werden und die Vertragsgestaltung individuell angepasst ist.

Zertifikate, Optionen, Futures, Swaps

Zertifikat:

Mit einem Zertifikat partizipiert ein Anleger an der weiteren Entwicklung eines Basiswertes. Es handelt sich um Inhaberschuldverschreibungen, also ist auch die Zahlungsunfähigkeit des Emittenten möglich.

Option:

Eine Option bezeichnet ein geltend zu machendes Recht ein bestimmtes Angebot innerhalb einer festgesetzten Frist anzunehmen oder abzulehnen.

Futures:

Dies sind Terminkontrakte und verpflichten den Inhaber eine bestimmte Menge und Qualität des Basiswertes zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem festgelegten Preis zu liefern oder zu verkaufen. Der Verkäufer unterliegt dieser Pflicht spiegelbildlich. Durch einen Weiterverkauf des Kontrakts können sich beide Parteien den Pflichten entziehen. Dies wird „Glattstellung der Position“ genannt.

Swaps:

Bei Swapgeschäften tauschen Handelspartner Zahlungsforderungen oder Verbindlichkeiten mit unterschiedlichen Zinsen, Währungen und Laufzeiten. Sie dienen der Senkung von Finanzierungskosten und werden individuell vereinbart.

Abhängigkeiten von Derivaten
Derivate basieren auf bestimmten Basiswerten (Underlyings) und sind daher von deren Preis- und Kursschwankungen abhängig. Neben Angebot und Nachfrage haben auch andere Faktoren Einfluss auf die Preisbildung.

Nutzungsmöglichkeiten

Derivate können bedingt oder unbedingt sein. Unbedingte Derivate sind Festgeschäfte und Swaps. Bei diesen besteht eine bindende Rechtspflicht zur Leistung zum vereinbarten Leistungszeitpunkt. Bedingte Derivate sind dagegen Optionen. Die Verpflichtung zur Leistung hängt davon ab, ob der Optionskäufer sein Wahlrecht ausübt.

Nutzen und Risiken

Derivate transferieren Risiken, denn die herkömmlichen Marktrisiken eines Basiswertes werden durch die Gestaltung des Derivats separat gehandelt. Der Basiswert selbst muss nicht erworben oder veräußert werden. Trotzdem offenbaren sich deutliche Unterschiede bei Risiken: Die Preisbildung bei Derivaten ist sehr intransparent, da sie sich nicht nur nach Angebot und Nachfrage richtet. Aufgrund eines Hebeleffekts können sich negative Kursbewegungen des Basiswertes außerdem unverhältnismäßig auswirken und sogar zum Totalverlust führen.

Absicherung und Kontrollen

2012 wurde die „European Market Infrastructure Regulation“ (EMIR) gegründet, eine EU-Initiative, die für mehr Sicherheit und Transparenz sorgen soll – insbesondere bei OTC-Geschäften. Seit dem 12. Februar 2014 sind alle Unternehmen nach Artikel 9 der EMIR-Verordnung verpflichtet den Abschluss, die Änderung und Beendigung von Derivatekontrakten an ein Transaktionsregister zu melden. Zudem dürfen Handel und Abwicklung eines solchen Geschäfts bei Banken nicht von derselben Person vorgenommen werden. Das bankeninterne Controlling sichert zusätzlich ab. Ein weiterer Kontrollmechanismus ist die Abwicklung über eine Clearingstelle, die für die Einhaltung der Vertragsbedingungen sorgt und die Bonität der Geschäftspartner überprüft. Käufer und Verkäufer bleiben für den jeweils anderen anonym.

Terminkontrakt – Ein Beispiel

Zur Veranschaulichung wird hier ein Dax-Future mit einer Laufzeit von 6 Monaten angenommen. Derjenige, der auf einen steigenden Dax setzt, „kauft“ den Future. Derjenige, der auf einen sinkenden Dax setzt, „verkauft“ ihn. Für Gewinn oder Verlust ist die Kursentwicklung während der Laufzeit entscheidend. Bei steigendem Dax zahlt der Verkäufer für jeden Indexpunkt 25 Euro an den Käufer. Umgekehrt zahlt der Käufer für jeden Indexpunkt 25 Euro an den Verkäufer, wenn der Dax fällt. Diese Zahlungen erfolgen täglich. Zu diesem Zweck wird ein Marginkonto eingerichtet, dessen Anfangs- und Mindestbestand sich im Verhältnis zum Dax-Stand bei Kauf des Futures bemisst. In der Regel handelt es sich um 5 Prozent des Kontraktwertes.

Dax-Stand bei Kauf: 10.000 Punkte Kontraktwert: 10.000 x 25 = 250.000 Euro Margin (5 Prozent des Kontraktwertes): 12.500 Euro

Der Mindestbestand muss hier also immer 12.500 Euro betragen. Der theoretisch mögliche Maximalverlust für den Käufer beläuft sich auf den Kontraktwert, also hier 250.000 Euro, sofern der Dax 0 Punkte betragen würde. Für den Verkäufer ist der theoretische Maximalverlust unbegrenzt.

Szenario 1: Der Dax steigt auf 10.040 Punkte – dem Marginkonto werden 1000 Euro (40x25 Euro) gutgeschrieben. Szenario 2: Der Dax fällt auf 9.900 Punkte – das Marginkonto verringert sich um 2500 Euro (100 x 25 Euro).