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Schwarzer Freitag

Im Finanzwesen wird unter einem Schwarzen Freitag ein Tag verstanden, an dem es zu einem massiven Einbruch der Wirtschaft, der Börsen oder des Bankwesens kommt. Als bekanntester Schwarzer Freitag gilt der 24. Oktober 1929, der Tag des größten Börsencrashs aller Zeiten. Schwarze Freitage sind in der Wirtschaft bis ins 18. Jahrhundert belegt. Als am 6. Dezember 1745 in London die Angst vor einer französischen Invasion umging, kollabierten die Banken und das Wirtschaftsleben – der erste „Black Friday“ war geboren. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Begriff mit der Internationalisierung der Märkte außerhalb Englands. Im deutschsprachigen Raum galten der Wiener Börsenkrach 1873 sowie der Absturz der Kurse an der Berliner Börse 1927 als Schwarze Freitage.

Black Friday

1929 kam es zum Kollaps der Börse von New York. Massive Verkäufe sorgten für einen nie dagewesenen Kurssturz, mehrfach brach der Handel zusammen. Nur in Europa wird dieser Crash Schwarzer Freitag bzw. Black Friday genannt. In den Vereinigten Staaten fiel der 24. Oktober 1929 aufgrund der Zeitverschiebung auf einen Donnerstag und gilt daher als Black Thursday, also als Schwarzer Donnerstag.

Auf den Black Friday folgte die Weltwirtschaftskrise. Eine jahrelange weltweite Rezession, Massenarbeitslosigkeit und -verarmung führten zu Folgen, die sich nicht nur auf die Wirtschaft beschränkten, sondern mittelbar die ganze Welt veränderten: In Deutschland begünstigte das Elend der Massen den Aufstieg des Nationalsozialismus, der den Kontinent in den Zweiten Weltkrieg stürzte.

Kein Crash kommt aus dem Nichts

Der Begriff des Schwarzen Freitags legt nahe, dass ein einziger Tag reichen würde, um die Wirtschaft nachhaltig zu schädigen. Doch meist sind die massiven Kursstürze nur Symptome einer langfristigen Entwicklung. So auch 1929: Die Ursachen der plötzlichen Kapitalvernichtung gehen bis zum Ersten Weltkrieg zurück, der am Gefüge der weltweiten Wirtschaft rüttelte. Die USA waren durch ihn zum Gläubigerland geworden – alle anderen Kriegsteilnehmer waren Amerikas Schuldner. Eine Rückzahlung der Schulden wurde durch Schutzzölle seitens der USA erschwert, die 1921 eingeführt wurden. Außerdem kam es zu einem Missverhältnis zwischen Geld- und Kapitalmarkt: In Europa zerstörten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Inflationen und Währungsschnitte das Vertrauen in langfristige Kapitalanlagen. Das Angebot auf dem Kapitalmarkt war infolgedessen klein, während der Geldmarkt überversorgt war. Die Wirtschaft reagierte mit Fehlfinanzierungen, indem sie nun auf kurzfristige Geldmarktkredite auswich.

Die Weltwirtschaft, insbesondere die Wirtschaft der Vereinigten Staaten, boomte in der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre. Eine durch Verbraucherkredite getragene Nachfrage und ein großer Wirtschaftsoptimismus führten zur Überschätzung der Märkte: Neben eine viel zu hohe Produktion durch die Industrie trat ein Spekulationsfieber an den Börsen. Als der Dow Jones im Oktober 1929 deutliche Verluste verzeichnete, verdüsterte sich das Klima. Kleinanleger erkannten, dass sie ihre Kredite, die sie unter der Annahme steigender Aktienkurse aufgenommen hatten, nicht würden zurückzahlen können. Nachdem sich der Dow Jones im Laufe des Oktobers in einem Zick-Zack-Kurs nach unten befunden hatte, trug am 24.10. der Bankrott des Londoner Spekulanten Clarence Hatry zum endgültigen Kollaps bei. In nur zwei Stunden fiel der Gesamtwert der börsennotierten Unternehmen um elf Milliarden US-Dollar.

Die Dimension des Black Friday wird deutlich, wenn man den damaligen Sturz der Kurse anderen Finanzkrisen gegenüberstellt. Im Vergleich zum Black Friday (schwarzer Kreis) wirken die Kurseinbrüche während der Ölkrise 1973 (grüner Kreis) oder der Finanzkrise 2008 (roter Kreis) geradezu verschwindend gering:

Historischer Graf des Dow Jones Industrial Average (Quelle der ursprünglichen Grafik: Wikimedia.org)

Kann man eine Krise vorhersehen?

Börsencrashs wie jener am 24. Oktober 1929 vernichteten in kürzester Zeit Milliarden, stürzten zahllose Menschen in die Arbeitslosigkeit und warfen die Welt aus der Bahn. Kein Wunder, dass viele Experten sich mit der Frage beschäftigen, ob man den Kurskollaps vorhersehen kann. So auch Robert Shiller: Der US-amerikanische Nobelpreisträger entwickelte eine Formel für die Bewertung von Aktienmärkten, das sogenannte Shiller-KGV oder auch Shiller Cape. Die Idee des US-Ökonomen beruht auf der Annahme, dass starke Kursschwankungen nicht rein rational erklärbar sind, sondern von psychologischen Faktoren abhängen. Bewegen sich die Aktienkurse stärker, als es rein mathematisch zu erwarten wäre, sind diese Aktien entweder über- oder unterbewertet. Die fehlerhafte Bewertung führt schließlich zur Kurskorrektur, welche nach Shillers Modell prognostizierbar ist – und Aussagen über die zu erwartende Entwicklung von Kapitalmärkten erlaubt. Shiller begründete mit seiner Forschung die Verhaltensökonomik und sagte zwei schwerwiegende Krisen voraus: die Dotcom-Blase, die im Jahr 2000 die Internet- und Telekommunikationsbranche traf und die Immobilienblase 2007, die zur globalen Finanzkrise führte.


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