Ad hoc-Mitteilungen
Auswahl: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Inflation

Definition

Inflation ist eine Preisentwicklung, bei der das allgemeine Preisniveau über einen längeren Zeithorizont kontinuierlich zunimmt. Die Folge ist eine fortschreitende Geldentwertung und damit ein Verlust der Kaufkraft.

Einfacher ausgedrückt: Inflation beschreibt einen Prozess, bei dem die Preise von Gütern und Dienstleistungen im Laufe der Zeit ansteigen, was dazu führt, dass das Geld mit der Zeit an Wert verliert. Wichtig ist, dass es bei einer Inflation zu einem Anstieg des gesamten Preisniveaus kommt und nicht nur zu einer Zunahme einzelner Preise, deren Flexibilität eine wichtige Funktion in der Steuerung von Angebot und Nachfrage einnimmt. Der Begriff „Inflation“ leitet sich von dem lateinischen Wort „inflatio“ ab, das soviel wie „Aufblähen“ bedeutet. Die Preise blasen sich also im wahrsten Sinne des Wortes auf, so dass bei gleichbleibendem Einkommen weniger Waren erworben werden können als zuvor. Das Gegenteil von Inflation ist die Deflation, bei der es zu einem anhaltenden Rückgang des Preisniveaus kommt.

Messung

Um zu messen, wie sich die Preise tatsächlich entwickeln, bedienen sich Ökonomen im Euroraum dem „Harmonisierten Verbraucherpreisindex“ (kurz „HVPI“). Der Ausdruck „harmonisiert“ soll darauf hinweisen, dass es sich im Sinne der Vergleichbarkeit um eine einheitliche Methode handelt, die innerhalb der gesamten Europäischen Union Anwendung findet. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex dient dazu, die Veränderung der Lebenshaltungskosten im Zeitablauf zu bestimmen und die Preisstabilität innerhalb der Eurozone zu überwachen.

Er wird seit 1997 monatlich vom Statistischen Bundesamt errechnet und misst die Preisveränderungen von durchschnittlich etwa 700 Waren und Dienstleistungen, deren Gewichtung auf nationalen Durchschnittswerten beruht und den Konsum eines „typischen” Haushalts widerspiegeln soll. Auf der Grundlage dieses Warenkorbes wird auch die Inflationsrate bestimmt, die sich aus der prozentualen Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahreszeitraum - also gegenüber dem Vorjahresmonat oder dem gesamten Vorjahr - ergibt. Gemäß den Zielen der Europäischen Zentralbank soll sie zur Gewährleistung der Preisstabilität auf mittlere Sicht knapp unter zwei Prozent liegen.

Gewichtung im HVPI - Wägungsschema zum Basisjahr 2010

Ursachen und Auswirkungen

Die Erklärungsansätze für das Entstehen von Inflation sind vielfältig. So kann Inflation beispielsweise durch eine übersteigerte Nachfrage der privaten und öffentlichen Haushalte ausgelöst werden, aus einer übermäßigen Ausweitung der Geldmenge beziehungsweise der Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes resultieren oder aus dem Ausland importiert werden. Doch unabhängig von der Ursache bleibt die Folge stets identisch:

Das Geld ist weniger wert. Dementsprechend nützt Inflation Schuldnern und schadet Gläubigern, denn die Realschuld sinkt und die Forderung wird entwertet. Eine zunehmende Inflation führt zu einem abnehmenden Realzins, der sich aus der Korrektur des Nominalzinses um die erwartete Inflationsrate ergibt. Liegt letztere über dem Nominalzins kann es folglich auch zu einem negativen Realzins kommen. Doch die Höhe der Inflationsrate spielt nicht nur bei Schuldverhältnissen eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Vergütung von Arbeitsverhältnissen sowie der Festsetzung von Renten und Sozialhilfe. Wird eine Anpassung an die Inflationsrate versäumt, bleiben die Einkünfte dieselben, während sich die Kosten des alltäglichen Lebens vervielfachen.

Gefühlte Inflation

In der Vergangenheit haben verschiedene Studien gezeigt, dass Verbraucher die Inflation auffallend stärker wahrnehmen als sie auf der Grundlage der Inflationsrate tatsächlich ist. Dies liegt unter anderem daran, dass ansteigenden Preisen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als stabilen oder abnehmenden. Außerdem sind in den letzten Jahren insbesondere die Ausgaben für häufig getätigte Einkäufe wie Benzin oder verschiedene Lebensmittel gestiegen. Diesen Preisen wird mehr Beachtung geschenkt als jenen von selten erworbenen Gütern.

Gleichzeitig kann der individuelle Konsum natürlich auch von dem Warenkorb abweichen, der dem harmonisierten Verbraucherpreisindex zugrunde liegt. Fährt ein Haushalt beispielsweise überdurchschnittlich viel Auto, kann die persönliche Inflationsrate deutlich über der des Statistischen Bundesamts liegen.

Ausprägungen

Eine Inflation kann unter Berücksichtigung von Geschwindigkeit und Stärke der Geldentwertung unterschiedliche Ausmaße annehmen. Von einer kaum spürbaren Preissteigerung bis hin zum kompletten Funktionsverlust des Geldes ist alles möglich. Obwohl die nachfolgenden Werte keiner einheitlichen Festlegung unterliegen, soll die folgende Tabelle einen Überblick über die verschiedenen Formen der Inflation gewähren:

Schleichende Inflation Inflationsrate zwischen 3 und 5 Prozent → Anstieg des Preisniveaus wird kaum wahrgenommen + Funktionalität des Geldes bleibt erhalten
Trabende Inflation Inflationsrate zwischen 10 und 20 Prozent → deutlich wahrnehmbarer Anstieg des Preisniveaus + wirtschaftliche Investitionsbereitschaft sinkt
Galoppierende Inflation Inflationsrate zwischen 20 und 50 Prozent → schneller Anstieg des Preisniveaus + Geld verliert seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel + Gefahr der Ausweitung in eine Hyperinflation
Hyperinflation Inflationsrate über 50 Prozent → extremer Anstieg des Preisniveaus + Kontrollverlust über Geldentwertung + endet oftmals in einer Währungsreform


Leichte Inflation Inflationsrate unter 5 Prozent → aufgrund des nachfragefördernden Effekts mitunter sogar erwünscht
Schwere Inflation Inflationsrate über 5 Prozent → Geld kann Wertmaßstabs- und Wertaufbewahrungsfunktion verlieren, so dass es zur Flucht in Sachwerte kommt

Inflation in Deutschland und der Welt

Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ist sicherlich die Hyperinflation Anfang der 1920er Jahre am stärksten verankert. Die zwischen August 1922 bis Dezember 1923 stattfindende Entwertung der Mark spiegelt laut einer Studie der Johns Hopkins Universität in Baltimore eine der fünf schlimmsten Hyperinflationen der Geschichte wider. Sie endete mit einer Währungsreform:

Die sogenannte Papiermark wurde durch die Rentenmark abgelöst (Kurs: 1 Billion Papiermark = 1 Rentenmark). Unter der weltweit schlimmsten Hyperinflation litten gemäß der Studie jedoch die Ungarn zwischen August 1945 bis Juli 1946. Berechnungen der US-Ökonomen zeigten, dass sich die Preise damals innerhalb von nur 15 Stunden verdoppelten.

Die jüngsten Inflationsepisoden spielten sich zwischen März 2007 bis Mitte November 2008 in Simbabwe und im Jahre 2010 in Nordkorea ab.

Entwicklung der deutschen Inflationsrate innerhalb der letzten 20 Jahre


Schließen

1.462% Hot Stock meldet Deal in Europa