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Hausse

Definition

Eine Hausse bezeichnet an der Börse eine Aufschwungphase, in der es zu einem mittel- bis langfristigen Kursanstieg der gehandelten Wertpapiere kommt. Der Begriff Hausse stammt aus dem Französischen und bedeutet „Anstieg“. Bei einer Phase kontinuierlicher Kursgewinne sprechen Börsianer auch von einem Bullenmarkt. Im Gegensatz dazu beziehen sich die Begriffe Baisse und Bärenmarkt auf eine anhaltende Abschwungphase. Eine Hausse ist nicht nur an ein zunehmendes Vertrauen der Anlegenden in den Markt gekoppelt, sondern auch an zukünftige Gewinnerwartungen. Sie eignet sich somit zur Realisierung von Kursgewinnen, wodurch der stetige Kursanstieg kurzzeitig unterbrochen werden kann. Kleine Rückschläge tun einer Hausse jedoch keinen Abbruch, solange die generelle Anstiegstendenz weiterhin anhält. Von einer Hausse ist nur dann die Rede, wenn Kursanstiege einen kompletten Marktbereich oder den Gesamtmarkt betreffen. Marktbereiche lassen sich z.B. nach Ländern, Regionen oder Branchen unterteilen. Die langfristige Wertzunahme eines einzelnen Papiers ist nicht als Hausse zu bezeichnen. Während sich Autoren darüber einig sind, dass eine Hausse einen mittel- bis langfristigen Trend beschreibt, herrscht weniger Konsens über die konkrete Dauer. So wird teilweise schon bei Aufschwungphasen von mehreren Monaten von einer Hausse gesprochen, manchmal jedoch auch erst bei einem Kursanstieg über mehrere Jahre.

Begrifflichkeiten rund um die Hausse

Von einer Spekulation à la Hausse wird gesprochen, wenn Anleger Wertpapiere in Erwartung steigender Kurse kaufen. Dementsprechend werden optimistische Anleger, die mit einem baldigen Kursanstieg rechnen, auch als Haussier bezeichnet. Sie machen sich oftmals die Hebelwirkung im Termingeschäft zunutze, indem sie z.B. Long-Positionen erwerben und von den überproportionalen Gewinnen des Optionsscheins bei Kursanstieg des Basiswerts profitieren. Haussiers können aber auch den Basiswert selbst erwerben. Zu Beginn einer Hausse-Phase kann es vorkommen, dass die Anlegenden dem scheinbar anhaltenden Aufwärtstrend nicht trauen und sich mit einer Investition zurückhalten. Mit zunehmender Dauer entscheiden sie sich dann doch zum Einstieg und erwerben die entsprechenden Titel. Eine Eigendynamik entwickelt sich, die die Hausse über einen langen Zeitraum aufrecht erhält. Börsianer bezeichnen diese Situationen mit dem Ausdruck „die Hausse nährt die Hausse“.

Bullenmarkt

Als Symbol einer Hausse-Phase fungiert der Bulle, der schon in der Antike als mächtiges Tier galt, das mit seinen Hörnern beim Angriff nach oben stößt und somit die gleiche Bewegung vollzieht, wie die Wertpapierkurse an der Börse während einer Hausse. In Phasen des anhaltenden Aufschwungs wird die Stimmung dementsprechend auch als „bullish“ benannt. Während die Bezeichnung Hausse in Bezug auf das Wertpapiergeschäft seine Ursprünge an der Pariser Börse hat, stammt der Begriff Bullenmarkt aus den USA (= bull market). Folglich findet sich das Tier nicht nur auf dem Vorplatz der Frankfurter Börse, sondern auch als sogenannter “Charging Bull“ aus Bronze in der Wall Street wieder. Baisse-Phasen finden ihren symbolischen Ausdruck in der Figur des Bären, der mit seiner Pranke nach unten schlägt.

Zyklus einer Hausse

Eine Hausse kann beispielsweise aus einer Reihe von positiven Finanz-, Wirtschafts- oder Unternehmensnachrichten entstehen, die das Vertrauen der Anleger steigern und sie optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Sie kann aber auch auf Spekulationen beruhen. Die Dauer einer Hausse ist von verschiedenen Faktoren abhängig, darunter die allgemeine Wirtschaftslage, die gegenwärtige und zukünftige Finanzpolitik sowie die Arbeitsmarktzahlen. Lang andauernde Hausse-Phasen können jedoch auch gefährlich werden, da sie Spekulationsblasen verursachen können. Kritisch wird es, wenn Wertpapier- oder Immobilienpreise allein durch die Zuversicht der Anleger in die Höhe getrieben werden, so dass ihre Preise den realen Gegenwert deutlich übersteigen. Während ein Boom durch starke Kursanstiege charakterisiert ist, also eine verstärkte Hausse darstellt, droht in dieser Situation eher ein Crash. Sobald sich die Anlegenden der Blase bewusst werden, steht ihr Platzen kurz bevor. Papiere werden in großen Mengen abgestoßen, was einen Kurssturz verursacht. In solchen Momenten laufen Anleger außerdem Gefahr, in die Bullenfalle zu tappen, da sie aufgrund der vergangenen Entwicklung mit weiteren Kurssteigerungen rechnen, die in der Realität aber nicht eintreten.