Metall-Arbeitgeber erwarten harte Tarifrunde im Norden

Sonntag, 22.10.2017 14:32 von

HAMBURG (dpa-AFX) - Die Forderungen der IG Metall Küste in der bevorstehenden Tarifrunde der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie könnten nach Einschätzung des Arbeitgeberverbandes Nordmetall eine Flucht der Unternehmen aus dem Tarifvertrag nach sich ziehen. "Fast zwei Drittel der Firmen wollen im Falle eines überzogenen Tarifabschlusses den Verband verlassen oder erwägen einen Austritt", sagte Nordmetall-Präsident und Verhandlungsführer Thomas Lambusch der Deutschen Presse-Agentur. "Das macht uns große Sorgen." Die IG Metall sei sich offenbar nicht darüber im Klaren, was sie mit ihren Forderungen auslösen könnte.

Die Gewerkschaft fordert nicht nur sechs Prozent mehr Einkommen für die 150 000 Beschäftigten der Metallindustrie in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und dem nördlichen Niedersachsen. Sie will zudem ein Recht auf individuelle Arbeitszeitverkürzung zur Erziehung von Kindern oder Pflege von Angehörigen von bis zu 20 Prozent durchsetzen, zum Teil mit Entgeltausgleich. "Das wäre für die Mitarbeiter hoch attraktiv und würde von vielen auch wahrgenommen", sagte Lambusch.

Auf die Betriebe kämen jedoch kaum lösbare Probleme zu. "Das würde eine Arbeitskräfte-Lücke von bis zu 22 000 Personen in der Branche aufreißen", sagte Lambusch. Diese Lücke könnte unter den gegebenen Umständen nicht ansatzweise gestopft werden. Schon jetzt hätten 59 Prozent der Betriebe erhebliche Probleme, Fachkräfte zu finden. Mehr als 18 000 Stellen an der Küste seien unbesetzt und könnten bei guter Konjunktur und vollen Auftragsbüchern auch nicht besetzt werden. "Die Firmen sind schockiert, dass ihnen das Arbeitsvolumen verloren gehen soll", sagte der Nordmetall-Chef. Die Forderungen seien schlicht nicht umsetzbar.

An diesem Dienstag (24.10.) beschließt die Tarifkommission der IG Metall Küste offiziell ihre Tarifforderung 2018. Die Verhandlungen zwischen Nordmetall und der IG Metall Küste mit Bezirksleiter Meinhard Geiken an der Spitze beginnen am 15. November in Hamburg./egi/DP/he

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